Lager geschleppt, bis sie schließlich im Polizeigefängnis Leip zig von der Gestapo , bis auf weiteres' aufgehoben wurde. Die Gestapo war eben zähe. Sie hatte die Hoffnung nie aufgegeben, noch etwas über den Mann aus ihr herauszubekommen, der mit ihr nach Deutschland gekommen war. Wir blieben ruhig auf unsern Steinen hocken, um uns von der Anstrengung des Koffertragens ein wenig zu erholen, und dabei erzählte mir die Kleine in Kürze ihr Schicksal. Ein Belgier namens Solange, der mit ihr kurz nach dem Einmarsch deutscher Truppen nach Deutschland verfrachtet worden war, war in den Verdacht geraten, in Brüssel gedrucktes Falschgeld hier in Umlauf gesetzt zu haben. ,, Sie haben ihn nie fassen können. Noch vor zehn Tagen bin ich vom Sachbearbeiter in dieser Angelegenheit ein letztes Mal vernommen worden. Ich weiß, daß er in Berlin als Kellner unter einem falschen Namen und mit erstklassigen Papieren arbeitet." ,, Und du hast dich beteiligt?" fragte ich, ein wenig neu gierig.
Wie man's nimmt. Als die Deutschen in Brüssel einmarschiert waren, hat sich eine Gruppe der Widerstandsbewegung an Solange gewendet mit dem Ansinnen, durch Ausgabe von Falschgeld in Deutschland wirtschaftliche Schwierigkeiten zu erzeugen. Es war also eine rein politische An gelegenheit und in gar keiner Weise auf eine persönliche Bereicherung abgesehen. In Plauen , wo ich in einer Textilfabrik arbeitete, wurde ich näher mit Solange bekannt, und er zog mich ins Vertrauen. Von da ab habe ich regelmäßig einmal in der Woche das Falschgeld in Zwickau abgeholt. Es ging dabei zu wie in einem Kriminalroman. Ich wartete mitten in der Stadt vor einem bestimmten Hause. Dann kam ein Auto angefahren, und eine Hand reichte mir aus dem Fenster einen Pappkarton mit den Noten. Ich habe den Mann, der mir die Sendung aus Brüssel übergab, niemals richtig gesehen. Die Scheine übergab ich in Plauen Henry. Wie der sie in Umlauf gesetzt hat, ist mir nicht genau bekannt. Es waren kleine Scheine. Zwanziger und Fünfziger. Mir war damals Geld ziemlich gleichgültig, weil ich immer genug hatte. Natürlich echtes! Henry warnte mich immer wieder vor auffälligen großen Ausgaben. Einmal sagte er mir, daß mehr als ein Dutzend Stellen in Berlin allein in der gleichen Weise arbeite. Manchmal hat
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