der Treppe aus in die Halle. Um den großen Schreibtisch hatten sich alle Wachtbeamten versammelt. Wildenhain von der Gestapo hielt so etwas wie eine Ansprache. Ein gutes Dutzend Gestapo -Männer, bewaffnet mit Maschinenpistolen, stand um den Sprecher. Was geredet wurde, verhallte im Raume. Aus der Kanzlei wurden Aktenstöße und Karteien in den Hof getragen. Wie gut, daß ich nicht zur vorderen Treppe heruntergekommen war; ich wäre diesen Beamten unmittel- bar in die Arme gelaufen!
Und dann kam mir der erleuchtende Gedanke!
Wenn die Tür zum Seitengange nach der Kantine nicht ver- schlossen war, dann gab es dort ein relativ sicheres Versteck: das Regal mit den Gläsern. Freilich mußte ich, um diese Tür zu erreichen, in die Halle hinaustreten. Das mußte eben ges wagt werden.
Vom großen Schreibtische her tönte Stimmengewirr. Wilden» hein war im Zimmer des Vorstehers verschwunden. Auch die Gestapo -Leute beteiligten sich jetzt daran, Akten in den Hof zu schaffen. Dort wurde das große Schlußfeuerwerk veran- staltet, das alle Spuren amtlicher, Polizeitätigkeit vernichten sollte. Es war also höchste Zeit, eine leidlich gesicherte Stellung. zu beziehen.. In diesem Augenblicke heulten draußen die Alarmsirenen auf. Dieser Ton war Musik für meine Ohren. Ausgezeichnet! Ich trat entschlossen aus der Deckung der Treppe heraus und stieg die beiden Stufen zum Seitengange empor——— die Tür war offen!! Rasch. zog ich sie hinter mir wieder zu, ließ sie aber nicht ins Schloß fallen. Dann trat ich hinter den Vorhang des Regals. Wenn mich in diesem Augenblicke niemand beobachtet hatte, war ich vorläufig sicher. Bei dem lebhaften Betriebe und der allgemeinen Auf» geregtheit würde kaum jemand auf den Gedanken. kommen, den Gang zur Kantine zu benutzen. Ich schob also mit vors sichtiger Bewegung die Einmachgläser zusammen, die das hohe Regal bevölkerten, und machte mir in der zweiten Etage einen Sitzplatz zurecht. Nun fiel der Vorhang wieder glatt herunter, und ich wär gegen Sicht gedeckt, selbst für den Fall, daß jemand den Gang betreten würde.
In dieser Haltung verblieb ich mehrere Stunden. Ich hörte, wie Namen verlesen wurden, wie Gefangene aus den Zellen- geholt wurden und in der Halle sich sammelten. Ich hörte
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