schehen mitbrachten. Anfang April wurde mir klar, daß die Gestapo bereits alle Vorbereitungen zur Flucht getroffen hatte. Ein SD.- Mann, der häufig Gefangenenverhöre an unserem Arbeitstisch durchgeführt hatte, zeigte dem SS. - Spitzel Koch, der als Wachtmeister die Beamten des Polizeigefängnisses im Gestapo - Auftrage überwachte, seine neuen, Papiere'. Jeder Gestapobeamte hatte den Namen eines im Alter und in der Personalbeschreibung passenden Mannes übernommen, der irgendwann und irgendwo von der Gestapo ermordet wor den war. Neue Photos waren in alte Papiere eingeklebt und sachkundig überstempelt worden. So waren Ausweise ent standen, deren Verfälschung nur von einem genauen Sachkenner festzustellen war.
,, Man muß sich eben richtig auswendig lernen", sagte der SD.- Mann, daß man seinen Geburtstag immer richtig angibt und so. Der Alte hat nur solche Papiere genommen, wo die Heimatkartei bestimmt verbrannt ist. Die meisten sind aus Dresden . Da kann nachher viel angefragt werden. Wir hatten ja die Auswahl. Und keiner weiß vom anderen den neuen Namen. Wenn der Befehl zur Auflösung kommt, geht jeder seiner Wege auf eigene Rechnung und Gefahr. Ein bißchen was hat ja jeder hinter sich, und wer nichts beiseite gebracht hat, ist eben ein Rindvieh gewesen. Wer kennt uns schon, wenn wir uns hier schwach machen? Die uns wirklich kennen, es werden ja nur ganz wenige sein!" Er verzog sein Gesicht zu einer bösartigen Fratze und machte eine sprechende Handbewegung.
Das alles sagte er so, daß ich, nur wenige Schritte von ihm entfernt, seine Worte verstehen konnte, und das gab mir die Gewißheit: Man würde im letzten Augenblicke so viele gefährliche Mitwisser ausschalten wie eben möglich war.
Was ich nun über die Ereignisse der letzten beide Tage unserer Haft im Polizeigefängnis niederschreibe, das fließt zum Teil aus der Kenntnis dessen, was ich erst nach dem Abschluß der Lindenthaler Tragödie erfahren habe...
Wahrscheinlich auf Anordnung des Reichssicherheitsamtes war eine Liste mit den Namen derer zusammengestellt worden, die vor Auflösung der Leipziger Gestapostelle beseitigt wer den sollten. Die Liste umfaßte hundertzwanzig Namen. Sie wurde am 9. April auf wessen Veranlassung, ist mir unbe
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