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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Mir wollte es scheinen, als röteten sich ihre Wangen ein

wenig.

Ach

-

ja, ich weiß jetzt

aber das ist lange vorbei. Ich bin hier im Knastbüro dienstverpflichtet. Wie ist dir's denn ergangen?"

,, Sie kennen den Gefangenen?" fragte der Wachtmeister neu­gierig.

,, Ja, wir haben uns in Leipzig mal getroffen. Man freut sich immer, wenn man mal so einen wiedersieht."

,, Na, wenn Sie sich mit ihm ein bißchen unterhalten wollen, dann kann er ja gleich die Strohsäcke ausgeben. Ich muß so­wieso mal rüber in die Abteilung. Bin gleich wieder da."

Damit verschwand er, und ich gab Strohsäcke aus...

Als das Geschäftliche erledigt war, erzählte mir das Mäd­chen, wie es hierher gekommen war. Ich will diese sonderbare Geschichte nicht berichten, obwohl sie durchaus nicht alltäg­lich ist und des Berichtens wohl wert wäre. Ich erwähne diesen Zwischenfall in meinem Transportschicksal nur deshalb, weil er mir ein Weihnachtsgeschenk bescherte. Als wir in der Zelle allein waren, griff sie in ihre Tasche und holte daraus ein großes Pfefferkuchenherz heraus.

-

,, Da, mein Freund daß du auch mal wieder merkst, daß Weihnachten ist! Ich weiß, was Knast bedeutet, und du hast ja genug davon durchgemacht. Laß dir's schmecken!"

Am zweiten Weihnachtsfeiertage schickte sie mir durch einen der Aufseher fünf Zigarren. Man sieht: Gemeinsam erduldetes Leid bindet gute Herzen!

Es gab in den Weihnachtstagen eher weniger als mehr zu essen. Aber die Aufseher ließen sich in diesen Tagen kaum sehen, und da fast jeder der Gefangenen noch eine kleine Reserve irgendwie bis hierher gerettet hatte, entbehrten diese Tage einer gewissen Gemütlichkeit nicht...

*

Am zweiten Weihnachtsfeiertage ging der Schub nach Leips zig ab. Spät am Abend wurden wir, etwa zweihundert Men­schen, in der Westhalle des Hauptbahnhofes ausgeladen und in bereitstehenden Wagen der Straßenbahn nach dem Ersatz­gefängnis in der Riebeckstraße gebracht.

18*

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