Ein Feldwebel lag neben mir auf einem Strohsack und rauchte eine meiner Zigarren, die er sich gegen ein kleines Taschenmesser von mir eingetauscht hatte. Er schwamm im rosigsten Optimismus.
,, In sechs Wochen ist der Ofen aus!" behauptete er mit zufriedenem Schmunzeln. ,, Bis dahin bin ich noch nicht einmal verhandelt. Am 12. ist mein Urlaub abgelaufen. Ich habe mich nachher freiwillig gestellt, eben so, daß noch keine Fah nenflucht herauskommt. Eigentlich müßten sie mich jetzt auf den Weg zur Truppe bringen. Aber kein Mensch weiß, wo mein Haufen sich jetzt herumtreibt. Zuletzt waren wir irgendwo in Polen . Man merkt sich ja die Namen nicht mehr. Aber da war die Stimmung schon so mulmig, daß keiner mehr so richtig mitmachen wollte. Auch unser Alter hatte die Nase voll. Als ich dort abging, sagte er zu mir: Machen Sie's gut und vielleicht kommen Sie gar nicht mehr hierher zurück!' Dazu lachte er, und ich verstand, was er meinte. Er war näm lich gar kein Nazi na, und die andern Offiziere eigentlich auch nicht. Mich kriegt jedenfalls keiner mehr in den Wahnsinn rein. Der Krieg ist ja auch längst schon alle. Die Amerikaner stehen in Holland oder sonstwo an der Grenze, oder auch schon auf deutschem Boden. Man erfährt ja da nichts Genaues."
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Einer der Soldaten wollte etwas Neues von der V- Waffe wissen.
,, Laß dir doch nichts weiswachen!" meinte der Feldwebel gutmütig. ,, Das is alles bloß, Galder Gaffee', wie die Sachsen sagen. Da lachen die Amis bloß drüber. Du wirst ja erleben, was die uns mit ihren Luftangriffen noch zu raten aufgeben. Die in einem Konzertlager sitzen, möglichst weit weg von einer Großstadt, die sind jetzt noch am sichersten."
Ein Wiener Arzt, der von Auschwitz kam, und der auf dem Wege nach Leipzig war, wo er in einer Verhandlung als Zeuge gebraucht wurde, erzählte gräßliche Dinge aus seinem Lager. Ich mag sie hier nicht wiederholen, und ich gestehe: ich setzte Zweifel in die Wahrhaftigkeit seines Berichtes. Heute weiß ich, daß das, was sich in Auschwitz wirklich ereignet hat, zehnmal schlimmer war als das, was er uns damals berich tete. ,, Im November haben wir einen Rekord aufgestellt", so sagte er unter anderem; ,, zwanzigtausend Menschen durch den
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