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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Zur Ehre meines guten Oberinspektors sei es gesagt: Er ge­riet durch diese Behandlung der Angelegenheit seitens des Herrn Generals nicht einen Augenblick in Verlegenheit.

,, Der Bericht wurde in meinem Auftrage von meinem Schrei­ber zusammengestellt, der dabei das gesamte Aktenmaterial und den letzten Schriftwechsel mit Schulz benutzt hat. Ich glaube kaum, daß in diesem Berichte etwas objektiv Unrichtiges zu finden sein wird."

,, Bringen Sie mal den Mann her!"

,, Hier steht er!" sagte Große, indem er auf mich zeigte, der bescheiden in eine Ecke gerückt war.

Der Herr Generalstaatsanwalt geruhte, mich von oben bis unten, und von unten bis oben einer scharfen Musterung zu unterziehen. Er benutzte dazu ein Einglas, das er nach dieser Inaugenscheinnahme elegant in die Westentasche fallen ließ. ,, Was sind Sie von Beruf!"

,, Zuchthausgefangener."

"

Was für einen Beruf haben Sie früher ausgeübt?"

,, Ich bin Volkswirtschaftler und war im Lehrfach tätig." , Weshalb sind Sie bestraft?"

"

,, Wehrkraftzersetzung."

,, Durch welches Gericht?"

,, Auf Grund einer Anordnung des Volksgerichtshofes Berlin durch das Oberlandesgericht zu Dresden ."

"

Woher wollen Sie dies erstere wissen?"

,, Aus einer Mitteilung meines Anwaltes, der jederzeit bereit sein wird, die Richtigkeit meiner Angabe zu bestätigen."

Der Herr General nickte. Dann sagte er langsam:

"

Gehen Sie mal aus dem Zimmer."

Nach einer Stunde etwa verließ der Generalgewaltige das Haus. Mein Oberinspektor kam zu mir herüber in den kleinen Raum, in dem ich an der Maschine arbeitete.

,, Er ist fort, das heißt, er ist rüber zu Witte gegangen. Die Sache soll geprüft werden. Mal sehen, was dabei heraus­kommt", sagte er. Es klang nicht sehr zuversichtlich... Abermals vergingen drei Wochen. Dann kam der Bescheid der Generalstaatsanwaltschaft. Er lautete:

,, Nach genauer Ueberprüfung des Vorganges ist festgestellt worden, daß die eigenen Unkosten des Unternehmers doch er­

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