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wollte.) Bohle also nahm die Zigaretten in Empfang, die Mimras Frau aus Prag an seine Adresse schickte, und er lieferte sie ehrlich ab. Fiftyfifty natürlich. Bohle und Mimra unterhielten sich manchmal flüsternd über die Kriegslage, und dabei staunte der biedere Hilfswachtmeister immer wieder über die Sehergabe dieses Rechtsanwaltes, den er insgeheim für ein verhindertes strategisches Genie hielt. Er selbst freilich glaubte damals noch grundsätzlich an einen Erfolg der deutschen Waffen.(, Von dem Platze, wo der deutsche Soldat steht, wird er nur weichen, wenn der Befehl dazu gegeben wird! Heil!') Eines Tages also sagte Mimra zu ihm: ,, Passen Sie auf! Morgen. oder übermorgen werden wir Odessa räumen!"( Er hatte eben von unsern Aetherfachlleuten gehört, daß es bereits geräumt sei!) ,, Ausgeschlossen! Ganz ausgeschlossen!" ant wortete Bohle verstockt. ,, Odessa , wo das doch bei der Krim herum liegt! Das gibt unser OKW . nicht raus!"- ,, Wetten?" sagte Mimra in leicht aufreizender Klangfarbe. ,, Wetten? Um fünf Stäbchen!" antwortete Bohle ohne Zögern. Er ließ sich nicht umsonst herausfordern zu einem Duell, in dem die gei stige Ueberlegenheit unter Beweis gestellt werden sollte! ,, Ge macht!" meinte Mimra und dann ließ er sich einschließen. Drei Tage später wurde tatsächlich im OKW.- Bericht mitgeteilt, daß Odessa von deutschen Truppen aus strategischen Gründen geräumt worden sei, und Bohle lieferte von den nächsten hundert Prager Zigaretten treu und bieder fünfundfünfzig ab und behielt nur fünfundvierzig für sich. Er war reell, der Neid muß es ihm lassen!
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Auch der Oberwachtmeister Lange, genannt der Negus, stand auf unserer Liste. Bei seiner Verurteilung war das Stimmverhältnis 2: 1 gewesen. Karel und Emanuel waren für das Todesurteil, ich dagegen, weil ich ihn im Grunde nicht für zurechnungsfähig hielt.
Lange kriegte, Anfälle. Er konnte sich mit einem Gefangenen zwischen Tür und Angel eine halbe Stunde lang über den Petrusbrief des sagenhaften Apostels unterhalten und dabei die herrlichsten Ansichten über Menschenliebe und Gottesfurcht entwickeln. Das tat er häufig mit einem Geistlichen aus Holland, einem Priester er selbst war auch katho
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