Linksmüller schäumt. Er beschuldigt den Tschechen Podey, gepfiffen zu haben. Dem bestätigen seine Nebenmänner mit Hilfe ihres Zuchthausehrenwortes, daß dies ein Irrtum sei. Weitere Beschuldigungen werden mittels des gleichen Hilfsmittels niedergerungen. Schließlich sind alle dreiundzwanzig bereit, ihr Ehrenwort als anständige Zuchthäusler zu geben, daß sie nicht gehört hätten, aus welcher Richtung der Lügensack' gepfiffen worden sei.
, Einrücken!" kommandiert Linksmüller. Er ist sichtlich er schöpft.
Abends kommt der Hilfswachtmeister Bohle in unsere Zelle, einer der wenigen Menschen zwischen den Aufsehertieren dieses Hauses. Er lächelt pfiffig.
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, Wißt ihr schon das Neuste? Der Alte hat einen Appell der Hauptwachtmeister gemacht., Lügensack' darf nicht mehr gepfiffen werden bei Strafe der sofortigen Entlassung."
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So verschwand das einzige musikalische Motiv aus dem amusi schen grauen Einerlei unseres freudlosen Daseins. Drei Tage später starb Linksmüller an einem Schlaganfall. Es wird nie mehr festzustellen sein, ob sein plötzlicher Tod in kausalem Zusammenhang mit diesem kurzen Motiv gestanden hat...
wartet
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Man glaube mir aufs Wort, daß ich von Radiotechnik so viel verstehe wie der Esel vom Lauteschlagen. Ich weiß nur: Wenn man auf einen Knopf drückt und dann ein Weilchen man erzählt mir, daß sich dann eine Glühbirne, die man merkwürdigerweise eine Röhre nennt, erst ein bißchen anwärmen müsse dann entströmen einem schwarzen oder braunen Kasten rasselnde Geräusche, deutsche oder fremde Worte, manchmal auch musikähnliche Töne, und das Ganze nennt man dann, Rundfunk'. Es soll früher manchmal sogar schön gewesen sein, als nämlich die Röhren genannten Glühbirnen noch neu waren und es noch kein Propagandaministerium gab; aber das ist schon so lange her, daß selbst alte Leute sich kaum noch daran erinnern können.
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Ueber meiner Zelle war der Saal, in dem die Rundfunktechniker arbeiteten. Deshalb waren sie ja hier weil sie nämlich den englischen Sender abgehört und hinterdrein den Mund nicht gehalten hatten. Das Ganze nannte man damals, Heim
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