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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Gemeinschaft Ausgespienen wie lauwarmes Wasser an sich herabrieseln. Er schlägt noch einmal zu. Diesmal nicht mehr mit voller Kraft. Seine Entrüstung ist im Abklingen. Viel leicht ist ihm auch der Gedanke gekommen, daß er diese Tat einmal wird verantworten müssen. Einmal. Aber wann? Der Termin schreckt ihn noch nicht. Hitler steht mit seinen Ar meen noch immer tief in Polen ...

*

Ich will den Kübel leeren. Fasse den schweren Eimer und trage ihn über den Korridor zum Abort. Plötzlich packt mich eine rohe Faust im Genick und schleudert mich an die Wand. Der Kübel kippt um und entleert seinen Inhalt auf den Linoleumbelag des Ganges .

132.

, Wer hat dir den Befehl zum Austreten gegeben, du Schwein? Marsch in die Zelle!"

Ich erkenne den Wachtmeister Neise, den schlimmsten Sadisten der Strafanstalt. Stammle irgend eine Rechtfertigung. , Was, du dreckiger Zijeuner willst dich noch mausig ma­chen?" Er zieht eine Stahlrute aus dem Hosenbein und schlägt auf mich ein, bis die Zellentür hinter mir zuklappt...

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Ich melde mich zum Rapport.

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, Was woll'n denn Sie?" fragt der Hauptwachtmeister vom Dienst.

,, Beschwerde über den Wachtmeister Neise."

,, Nu?"

,, Er hat mich geschlagen."

,, Das darf er nich."

,, Er hat es aber doch getan."

,, S'is gut, ich wer' ihn fragen."

Drei Tage lang höre ich nichts mehr von der Sache. Am vierten Tage werde ich vom Hauptwachtmeister geholt.

,, Gegen Sie liegt eine Anzeige des Wachtmeisters Neise vor wegen Widersetzlichkeit. Er hat Ihnen den Befehl gegeben, in die Zelle zurückzutreten. Sie haben diesen Befehl nicht befolgt. Ich erteile Ihnen eine scharfe Verwarnung und mache Sie dar­auf aufmerksam, daß ich Sie im Wiederholungsfalle mit stren­gem Arrest bestrafen müßte."

,, Ich bitte, meine Anzeige dem Direktor vorzulegen." , Is schon geschehen. Die Verwarnung kommt von dort­her." Und väterlich- vertraulich neigt der alte Wedler seinen

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