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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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,, Nein."

, Sie können den Gefangenen vorläufig abführen." Diese Worte waren an Rauchfuß gerichtet, der mich hergebracht hatte, und der, ein wenig betäubt von dem hohen Range dieser Gestapoleute, achtungsvoll in der Türnische stehen­geblieben war. Ich erhob mich und folgte Rauchfuß, der mich ins Zahnarztzimmer nebenan einschloß. Nach etwa zehn Minu­ten wurde ich abermals vorgeführt.

,, Berichten Sie über Ihre Beziehungen zu General Olbricht", forderte mich diesmal der Jüngere der beiden Gestapoleute auf, der von Witte mit, Herr Regierungsrat' angesprochen wurde.

Ich erzählte unbefangen und ausführlich. Von Olbrichts Vater, von Olbricht als Gymnasiast. Seit er in die Armee ein­getreten war, hatte ich die Fühlung zu ihm fast ganz ver loren.

"

, Welchen Eindruck gewannen Sie von General Olbricht im Verlaufe der zweiten Unterredung, die Sie mit ihm in Berlin hatten?"

,, Ich weiß nicht, wie ich diesen Eindruck in Worte fassen soll. Olbricht ist tot. Ich kann ihm weder schaden noch nützen, mit dem, was ich über ihn aussage. Ich hatte den Ein­druck, daß ihm sein Amt zur schweren Bürde geworden war, und daß sein Vertrauen in einen klaren militärischen Erfolg er­schüttert schien."

Der Regierungsrat von der Gestapo blickte mich erstaunt an. ,, Sie sprechen sehr offen in Ihrer Lage."

-

,, Ich glaube, dem Zwecke Ihrer Untersuchung so am besten zu dienen."

و"

, Gewiß. Sie sind Kommunist?"

,, Ich war nie Kommunist und werde niemals Kommunist sein."

"

Welcher Partei gehörten Sie an?" ,, Keiner."

,, Aber Sie standen einer Partei nahe. Sie haben gewählt." ,, Ja; aber das deutsche Volk hat seit Gründung des Reiches in geheimer Wahl gewählt, und noch heute ist das Wahl geheimnis so heilig wie das Postgeheimnis. Ich wüßte auch nicht, was eine solche Frage mit meinen dürftigen Beziehun gen zu General Olbricht zu tun haben könnte."

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