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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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mit dem Ihren bei der Herausgabe dieses Buches verbinde, dann müssen Sie ein paar kleine sprachliche Konzessionen, machen.

Ich. wollte daraufhin auf seine Mitwirkung bei der Heraus- gabe des Buches verzichten; aber er wehrte lächelnd ab:Nein, Zusage ist Zusage, und ich hoffe, wir werden uns leicht ver- ständigen. Er nahm die Druckfahnen zur Hand und zeigte mir die wenigen Worte und Sätze, die er eingefügt hatte. Wir wechselten ein paar Worte über die sprachliche Formulierung, und dann erklärte ich mich mit seinen Interpolierungen ein- verstanden. Sie belasteten mein Gewissen nicht, und an einer Einführung von Olbrichts Hand war dem Verlage außer- ordentlich gelegen.

Ob Olbricht damals schon in die Widerstandsbewegung ver- strickt war, der er sein Leben opfern mußte, kann ich nicht sagen. Das stand jedenfalls fest: Er wurde bereits damals mit Argwohn betrachtet und mußte alles vermeiden, ihn durch Worte oder Handlungen zu nähren.

Mein Buch erschien unter dem Titel ‚Ziel Warschau und hat eine zweite Auflage nicht erlebt, da für einen Neudruck Papier nicht bewilligt wurde. Ich habe diesen Umstand nie bedauert.

Noch einmal war ich bei Olbricht in Berlin in einer rein persönlichen Angelegenheit. Das war im Herbst 1942, kurz vor meiner Verhaftung. Auch damals sprach Olbricht schr offen zu mir, und ich gewann den Eindruck, daß er die Hoffnung auf einen klaren militärischen Enderfolg nicht mehr habe. Man kämpfte um Stalingrad , und die Ersatzanforderungen an die Heimatformationen waren ungeheuerlich. Der General steckte bis über die Ohren in Arbeit. Trotzdem empfing er mich sofort, und wir sprachen lange über das Zeitgeschehen. Zum Schlusse sagte er mit einem wehmütigen Lächeln:Nun, Sie haben ja über den Ausgang dieses Krieges gewiß Ihre wohl» geformte Meinung, die ich nicht teilen darf, aber Sie dürfen mir das glauben es ist schwer, an dieser Stelle zu stehen. Manchmal kann ich das Gefühl nicht unterdrücken, mit Menschen hantieren zu müssen, die alle realen Maßstäbe hinter sich geworfen haben manchmal steigt auch aus all dem Dunkel, das um. uns ist, ein Hoffnungsschimmer auf nun ja, niemand weiß ja mit Sicherheit, welche tech»

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