immerhin ein bemerkenswertes Gespräch, das damals zwischen uns geführt wurde.
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,, Ich habe Ihr Buch natürlich mit besonderem Interesse gelesen, das ja schon in der Sache begründet ist, und ich gestehe, es hat mir sehr gut gefallen, obwohl ich hm, das Gefühl habe, daß es im Grunde ein pazifistisches Buch ist, dessen Tendenz eben nur sehr wenig sichtbar ist. Es kommt mir als aktivem Soldaten eigentlich nicht zu, es einzuleiten. Man fühlt aus ihm heraus, daß Sie sich über das Ende dieser Zeit andere Gedanken machen, als die, zu denen ich gewissermaßen von Amts wegen verpflichtet bin. Zudem wissen oder ahnen Sie vielleicht, daß in Deutschland heute niemand so hoch steht, daß er nicht bespitzelt würde. Ich darf wohl annehmen, daß wir als alte Freunde zueinander sprechen, und ich habe Vertrauen zu Ihnen. Sie werden verstehen, was das in meiner Lage bedeutet. Nun, ich glaube, wenn der Krieg vorbei ist, und ich meine hier, den Krieg der Völker, den, Krieg der Armeen und Luftflotten, mit allem, was dazugehört, dann wird in Deutschland der Krieg noch lange nicht zu Ende sein. Dann wird man nämlich die Publizistik dieser verrückten Jahre überprüfen, und man wird diese oder jene schriftliche oder mündliche Aeußerung zur Zeit als Verdikt empfinden. Vernichtende politische Werturteile wird man um so bedenkenloser fällen, als die zeitlichen und persönlichen Voraussetzungen, unter denen dies geschrieben, jenes gesagt wurde, im Erlebnis einer völlig veränderten Welt dem Bewußtsein entschwunden sein werden. Ihr Buch ist freilich völlig frei von der Verwirrung des Geistes, die sich offiziell und offiziös gebärdet. Ich habe selten ein Buch über Krieg und Kriegsgeschehen in der Hand gehabt, das seine Tendenz so geschickt in Reserve hält, wie das Ihre. Sie wissen, warum Sie so und nicht anders schreiben, und ich verstehe diese innere Haltung durchaus. Es soll mir dabei sogar gleichgültig sein, ob Sie von einem wachen politischen Instinkt oder von Ihrem Gewissen geleitet wurden, aber zu einem Buche dieser Art kann ich unmöglich eine Einführung schreiben und mit meinem Namen als Chef der Allgemeinen Heeresleitung decken. Man würde mir das höllisch ankreiden. Sie können sich wohl nicht vorstellen, wie wenig frei ich in diesem Punkte bin! Wenn Sie also Wert darauf legen, daß ich meinen Namen
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