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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
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legentlich wohl auch. gepfählt, gerädert und gebrannt hat. Ich werde meinen Geschichtsprofessor verklagen wegen: Ver- breitung haltloser, das Ansehen einer Epoche- schwer schädi» gender übler Nachrede!

Er wird dir so was sicherlich nicht aufgebunden haben, Martin, lächelte Löwenherz milde und mit einer freund» lichen Handbewegung, die etwa bedeuten konnte:;Reg dich nicht auf, sondern setze dich gemütlich auf deinen Hosen- boden!Mittelalter nun ja, das ist so eine vage Abgren- zung. Auf Todesstrafe wurde jedenfalls von einem deutschen Gerichte nicht erkannt vor Erlaß jener immer wieder erneuten und erneut beschworenen Landfrieden. Im 11. Jahrhundert beginnt diese Entwicklung. Friedrich I. und Friedrich IL, Heinrich VII. und Rudolf von Habsburg so um 1300 had mag das gewesen sein, vielleicht auch noch etwas später vorher hatte nämlich der Staat gar kein Interesse, und zudem auch gar nicht die Macht, den Verbrecher zu schützen...

'Höre ich recht?

Durchaus! Zu schützen! Zu schützen nämlich vor der Privatrache. Das ist ein langer und interessanter soziologischer Prozeß, der darin seinen Abschluß findet...

Erkläre dich bitte etwas näher!

Bin ja schon dabei, Kleiner. Aber bitte ganz ohne alle Auf- regung. Ein Historiker, der sich der Sachlichkeit begibt...

Was sagst du dazu, Cantor?"Als Rechtsgelehrter, sollte man meinen, müßtest du doch davon auch einiges verstehen!

Der Jude wiegte sein Haupt bedächtig.

Daß es recht hat, unser tapferes Löwenherz, sag ich. Hast wohl auch nicht gewußt, daß es eine Habilitationsschrift gibt über ‚die geistigen Grundlagen der vor-kantischen Kriminal- theorien, überreicht von Dr. jur. Richard Löwenherz, Rechts- anwalt und Notar zu Leipzig ? Dein freundlicher Knastbruder ist nämlich sozusagen ein Gelehrter.

Richard lächelte nachsichtigsmilde.

sogar das Volk Israel hat Notiz genommen von dieser Arbeit? Freut mich außerordentlich, davon zu hören. Woes doch sonst bloß Notiz zu nehmen pflegt, wo etwas zu ver- dienen ist, wie die üble Nachrede behauptet. Also, Martin, hast * du einmal in Mösers ‚patriotischen Phantasien herumgelesen?

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