Und Cantor fügte hinzu:
,, Ich fürchte, wir sehen auch im Zuchthaus keine Ter mine mehr!"
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Wir leben eben unter einem Notstand... Müssen alles in Kauf nehmen, was aus ihm hervorgeht
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auch die Todesstrafe als letzten und furchtbarsten Ausdruck dieses Not standes", fuhr Richard fort. ,, Ich habe gerade jetzt mancherlei Beobachtungen über die Zwangsläufigkeit der Erscheinungen gemacht. Ich war nach München gekommen, weil man endlich einmal den Anlauf dazu nahm, eine Anklage gegen mich zu erheben. Es ist ja nun wieder nichts daraus geworden... Da hockten fast nur sogenannte Politische. Ein paar kleine Spitzbuben waren ja auch dabei, und ein paar Händler, die mit der Markenwirtschaft ins Gedränge gekommen waren, im übrigen eine Menge Ausländer Leute aus dem Protektorat mit merkwürdig deutschklingenden Namen. Dort mußte man. als Untersuchungsgefangener übrigens arbeiten. Jeden Morgen saßen wir dort dicht gedrängt in einem kleinen Saale, wickel ten Spulen und klebten Isolierungen für einen kleinen Motor, der irgendwo in Flugzeuge eingebaut wurde. In diesem Raume also saß ich zwischen einem Priester aus Preßburg , und dem Dr. Schwab Verzeihung: Svab! dem Direktor des Pilsener Zuchthauses. Ein gräßlicher Witz des Schicksals übri gens, der den Leiter des modernsten Zuchthauses der T'schechoslowakei nach München brachte, wo er auf den Abtransport zur Verbüßung von sieben Jahren Zuchthaus wartete. Schwab hatte Aufnahmen von seiner Anstalt bei sich, die er mir erläuternd zeigte. Ein Sternbau, ganz nach amerikanischem Muster... Aber ich schweife ab. Vom deutschen Notstand war die Rede... Als ich etwa zehn Tage dort gearbeiett hatte und ein wenig bekannt geworden war, wurden fünf Todesurteile gefällt. Zwei der Verurteilten hatten an meinem Tische gearbeitet. Nun saßen sie gefesselt in Einzelhaft und hofften auf Begnadigung, die natürlich niemals kam."
Richard Löwenherz sprach mit einem Ernste, der mir zu Herzen ging. Die Sache war mir ja in gar keiner Weise neu. In Dresden hatte ich Aehnliches fast jede Woche erlebt. Aber man hatte sich an solche Ereignisse schließlich so gewöhnt, daß sie einem nicht mehr auf die Nerven gingen. Hier aber sprach ein Anwalt des Rechtes, ein Mann, der noch immer
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