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aber er hat beruhigend hinzugefügt:„ Deine paar Flaschen, Richard, die fallen gerade noch ab!"... Oder der Richter hat einen Anzugstoff beim Schneider , aber keinen Futterstoff dazu und keine Punkte und eines Tages kommt der Schneider doch zur Anprobe... Fragt er ihn etwa: Mann, woher haben Sie den Futterstoff, wo ich doch keine Punkte...? Kein Gedanke! Er fragt nicht! Er vergißt das einfach!... Oder der Richter hat ein Kilo Bohnenkaffee, das seine Frau heimlich röstet, damit die Nachbarschaft den herrlichen Duft nicht wittert, und diesmal weiß der Richter sogar den Preis, den seine Frau dafür angelegt hat, und er ist natürlich böse darüber das heißt: darüber, daß seine Frau, bei seinem nicht gerade fürstlichen Gehalte so viel Geld ause gibt für na also, aber man ist doch ein ganz anderer Kerl, wenn man eine Tasse Bohnenkaffee im Leibe hat, früh um neun Uhr, und vor einem steht der Kerl, der hat zwei Pfund Butter und drei Pfund Schlackwurst vom Lande geholt! Hat sich von Gendarmen greifen lassen, der Hammel! Wenn er Glück hat und keine Akte bei der Gestapo , geht er drei Monate ins Gefängnis... Oder der Richter hat einen Kreis guter Freunde, mit denen er sich einmal wöchentlich in Familie trifft. Früher traf man sich in einem Lokal; aber das ist heutzutage zu gefährlich. Die Tische stehen zu dicht beieinander, und man möchte sich doch nicht immer nur im Flüsterton unterhalten- will sich seinen gerechten Zorn doch auch einmal von der Leber herunterreden! Wenn die Gestapo Schallplatten hätte von dem, was hier schon ausgesprochen wurde aber früh um zehn Uhr kriegt er die Akten eines armen Schächers zu fassen, der vor das Volksgericht in Ber lin kommt, weil er ach du lieber Gott ! etwas viel Harmloseres gesagt hat, als er selbst gestern abend in gefährlich zu gespitzter Fassung zum Ausdruck gebracht hat. Aber daran mag der Richter in diesem Augenblicke gar nicht denken. Er legt das Aktenstück beiseite und sagt ganz beiläufig zu seinem Jusitzwachtmeister:, Der Häftling Müller muß noch einmal vernommen werden, Köhler. Führen Sie ihn doch gleich vor. Es wird ja nicht lange dauern, und am Nachmittag habe ich keine Zeit mehr für sowas.' Ja, so ist das mit dem Rechte. Ich bin nun achtundsechzig. Wenn ich aus dem Zuchthause komme, werde ich zweiundsiebzig sein, das heißt, wenn ich das
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