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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Oder der Wachtmeister Oswald Killig, der ,, Kugelblitz" un­seligen Witzes Angedenken, dessen Lebensinhalt das Quälen seiner Gefangenen ist... Oder der Oberwachtmeister Lange in seiner ,, Korrektheit". Man ist gern geneigt, die Zukunft ge­wollt freundlich zu sehen, wenn man einem Dunkel ent gegenschreitet. Man hofft auf eine Lichtquelle irgendwoher

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und bildet sich ein, den so oft zitierten Silberstreifen am Horizont schon zu erblicken... Und doch hat mich der Ab­schied von Dresden bedrückt. Man war ja immer noch im Untersuchungsgefängnis, auch als schon Verurteilter, und noch war nicht unbedingt alles auf Entehrung abgestellt wie- eben hier im Zuchthause...

Ich bin eher gleichgültig als zuversichtlich. Der alte Rohde wünschte mir aus ehrlichem Herzen alles Gute, als ich das Haus verließ. Er weiß ja auch, was das Wort Transport' alles in sich schließt. ,, Man hätte Sie ja noch ein paar Wochen hier halten können", sagte er; aber einmal müssen Sie doch: fort. Wer weiß, wozu es gut ist. Hier können die Engländer auch jeden Tag mit dem großen Topfschlagen beginnen, und daß dann der Mathildenknast mitten in der Stadt bevorzugt bedient wird, das ist denn doch stark zu vermuten. Wohl dem, der dann nicht dabei ist."

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Mit Kowalski und einem Lagerkandidaten zum Polizeiprä sidium. Hier Aufnahme von Menschenfracht. Auf dem Bahn­hofe zwei schnurrige alte Herren. Wir wollen uns am 20. Mai dieses Jahres in Dresden bei Rheinwein und andern guten Sachen treffen. Ach was sind wir doch manchmal für große Kinder...

Natürlich: Ganz mittelalterlicher Voiture cellulaire( Knast­waggon). Letzter Wagen des Chemnitzer Zuges. Zu sechst in ein Abteil von einem Geviertmeter gepfercht und einge schlossen. Die Schimpfworte der beiden den Transport beglei tenden Polizisten atmen Dresdner Kolorit, ihre Roheit ist nazistisch, die groben Späße und eindeutigen Scherze mit den im Mittelgang des Waggons stehenden weiblichen Gefangenen wirken als letzter menschlicher Rest fast versöhnlich. Das alles haftet am ,, Schub" wie die Pest an indischen Hadern. Ich habe einen schmalen Bankplatz; neben mir sitzt ein Mann, den ich

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