Druckschrift 
Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Ly- Feder, die meiner verschliffenen Handschrift die Möglich keit des Atmens gab eine besondere Entlastung des Ge müts nach jenem ewigen Stolpern über die hart- spitz- gespal tenen Knast- und Gerichtsfedern, mit denen man nur Buch­staben in Druckschrift malen konnte...

Ich war satt...

Ich bewegte ein Tabakblatt im Munde, das mir die Illusion eines Genusses verschaffte...

Das Thermometer zeigte 14 Grad Celsius. Es hing in der Mauernische des großen Fensters, dicht über der Kakteentreppe, die bis zur halben Höhe emporführte. In der Nähe der Hei­zung, die ich im Rücken fühlte, war es ganz gemütlich

warm...

Ueber meinem Tische hing eine Pendelbirne, die mit der Kraft ihrer fünfzehn Kerzen ein freundliches Licht über meine grauen und rosafarbenen Blätter warf. Die Männer, die vor zweieinhalbhundert Jahren in diesem Hause die Wirtschafts­bücher der Fürstinwitwe Sophie- Auguste von Anhalt- Zerbst mit dem Gänsekiel geführt hatten, wären von dieser Beleuch­tung sicherlich entzückt gewesen...

In diesem Zimmer stehen fünf große Bücherschränke, zwei lange Tische, ein paar Stühle, ein Harmonium und eine Schreib­maschine. Es dient dem Zuchthaus zu Coswig als Biblio­thek...

Gestern war ich in dieses Zimmer eingezogen mit einem Sonderauftrage. Ich sollte den Katalog einer Gefangenen bücherei aufstellen...

In diesem Hause hat man Zeit. Wenigstens unter gewissen Voraussetzungen. Im Augenblick schienen diese Voraussetzun­gen gegeben. Ich übertrug die flüchtigen Notizen, die ich mir auf dem Transport hierher gemacht hatte, von den grauen Pa pierschnitzeln auf das fürstliche Rosapapier. Vielleicht fand ich doch einmal die Gelegenheit, meine tagebuchartigen Auf­zeichnungen aus diesen Mauern hinauszubringen.

*

Coswig ( Anhalt), am 24. Januar 1944.

Der Abschied von Mathilde hat mich bedrückt. Kein Zwei­fel: Ich atme auf, endlich befreit zu sein von der körperlichen Nähe eines Menschen wie dieser Edmund Grosser einer war...

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