vollen Verbindung und kannten den Wortlaut der englischen Heeresberichte wenige Stunden nach seiner Bekanntgabe. Sie waren Optimisten, wie alle Tschechen, und sagten das Ende des Krieges für den Sommer 1944 voraus.
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Von den Wachtmeistern dieser Abteilung zu erzählen, ist nicht notwendig. Sie waren wie anderwärts auch: roh, dumm und bestechlich mit einer Ausnahme: Lange. Auch er hatte seine Schrullen. So ließ er ohne Rücksicht auf die körperliche Verfassung seiner verhungerten Gefangenen beim täglichen Spaziergange oft anstrengende Freiübungen machen. Aber er gab sich schließlich auch zufrieden, wenn er merkte, daß der gute Wille zur Ausführung seiner Befehle mit der vor handenen Kraft nicht in Einklang zu bringen war. Ueber dem allen aber schwebte die milde Gestalt des ersten Hauptwachtmeisters, des Vaters Rohde. Weder vorher noch nachher ist mir in meiner Kerkerzeit ein Beamter von derart überragenden sachlichen und menschlichen Qualitäten begegnet wie er. Sogar der, Kugelblitz' unseligen Angedenkens kapitulierte. vor dem ruhigen durchdringenden Blick seiner Augen und fügte sich der Vernunft seiner Anordnungen.
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,, Daß ich Adolf heiße, dafür kann ich ja schließlich: nichts", sagte er einmal vertraulich zu mir, und dazu lächelte er sein verschmitztes Lächeln. ,, Einmal ist der Spuk zu Ende, und Sie werden das Ende erleben, das sagt mir mein Ge fühl. Nicht alle werden es erleben, die hier im Hause sind. Ueber Dresden schwebt ein Verhängnis, das sich in letzter Stunde erfüllen wird. Aber Sie werden dann nicht dabei sein!" Ich habe nie viel von solchen Prognosen gehalten. Aber Vater Rohde hat recht behalten.
Der Wechsel nach der Abteilung I bedingte auch den Umzug aus der Einzelzelle in eine Gemeinschaftszelle. Ich ge riet zuerst mit zwei tschechischen Kommunisten zusammen, die nur wenig deutsch sprachen oder sprechen wollten. Wenige Tage später aber kam der Befehl heraus, Tschechen und Deutsche zu trennen, und für die beiden Tschechen rückten zwei Deutsche zu mir. Edmund Grosser hieß der eine, ein Malermeister aus Mylau . Der andere war Paul Mohn, ein Schlos ser aus Meißen .
Mohn war ein stiller Zellengenosse. Er war zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wegen Rundfunkverbrechens und hatte
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