ren Kampfes in allen Einzelheiten und war mit vielen großen Tatmenschen dieses Handwerks persönlich bekannt geworden. Er gab knappe Prognosen zur Weiterentwicklung der Kampfhand- lungen an allen Fronten. Den Zusammenbruch Italiens sagte er auf den Tag genau voraus, und über den Fortgang der Ereignisse auf dem Balkan hatte er eine fast visionäre Schau. Ueber den
Termin der Einstellung der Feindseligkeiten dachte er nie optie_
mistisch, und er goß gelegentlich nicht unerhebliche Kübel Wasser in den rosenroten Wein der tschechischen Hoffnungen.
Prophete rechts, Prophete links— das Weltkind in der Mitten...
Stepanenko verlor seine zehn Flaschen Sekt. Er bot eine neue Wette für Ende August an, aber diesmal streikte ich..
„Wir können den Sekt doch nicht zusammen trinken“, meinte ich ablehnend. Drei Tage später trat Stepanenko mit- strah- lender Miene in den Arbeitssaal.
„Hab’ Sie schon geheert? Mussolini zurickgetreten. Nun kommt Kugel ins Rollen, immer Berg hinab. Na— was sagen Sie nu? Hab’ ich gesagt— verstehen Sie: gesagt?— hab’ ich gesagt, die deitschen Soldaten wollen nich mehr kämpfen. Haben so“—(sprechende Geste)—„Russen nich so sehr wollen vor, wollen vernichten deitsches Armee. Immer beren> nen ein Stick, dann ein ander Stick, un so machen weich— versteh Sie?— machen weich. Un zuletzt sagen deitsche Sol- daten: Scheißdreck alles!——— Morgen Orel!“
Am andern Tage kam die Nachricht von Orels Räumung durch deutsche Truppen.
„Nu, was hab ich gesagt? Orel wird räumen und zurück auf Charkow . Nun kommt Charkow , passen Sie auf, sag ich: Charkow in eine Woche. Dann Fihrer zuricktreten, und wir kommen heraus in vierzehn Tag aus Knast alle zusammen. Ende August.“
Diesmal bot ich eine Wette um zehn Flaschen Sekt an.
„Werden Sie missen zahlen. Wo? Ich kommen und bringen ein Pfund schwarzen Kaviar mit. Auch Tabak.“
„Russen Poltawa besetzt. Wissen Sie schon?“
„Latrine! Glaub’ ich nicht, solange es der Rundfunk nicht gebracht hat.“


