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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Auch Kaviar dazu. Schön schwarzen. Noch paar Pfund zu Hause hier in Dresden bei Freundin."

Er blickte mich treuherzig dazu an.

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,, Na also wenn Sie alles Nötige dazu besorgen als= dann: Kapitulation Italiens Ende Juli."

Stepanenko zog seine Hand einen Augenblick zurück, blickte mit gerunzelter Stirn ein paar Sekunden ins Leere und mur­melte dazu in sich hinein: ,, Wird faschistische Sistem sein kaputt in zehn Tage. Dann gabitulazion gleich von Keenig oder von Badoglio. Zehn Flaschen Sekt." Und laut fügte er hinzu: ,, Abgemacht!" und dazu ergriff er meine Hand und drückte sie heftig.

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Stepanenko im Knast hieß er Timoschenko in Aner­kennung seiner strategischen Fähigkeiten, manchmal auch La­trinenko, weil er immer das Neuste wußte war Russe und in Charkow geboren, wo er bis zur 5. Klasse die Kadetten­anstalt besucht hatte. Sein Vater, zaristischer Offizier, war in der Revolution umgekommen. Als der Kadett ins 16. Lebens­jahr ging, heiratete seine Mutter einen Tschechen und die Familie zog nach Prag ... Der Junge wurde dadurch staaten­los, und in Großdeutschland staatenlos zu sein, war immer eine peinliche Angelegenheit. Die Gestapo sperrte ihn gleich nach der Besetzung der Tschechei ein, ließ ihn dann aber wieder laufen, und so arbeitete er denn in seinem Berufe als Kellner in Berlin , Dresden und Paris , zuletzt als Mitropakellner auf der Strecke Leipzig - Stuttgart ... Daher auch seine intimen Beziehungen zu allerhand guten Sachen, die es im freien Han del schon längst nicht mehr gab... Er war verhaftet worden, weil er Anzugstoffe punktefrei und zu Ueberpreisen ver kauft hatte unter anderem an einen Staatsanwalt des Dres dener Oberlandesgerichtes, von dem nicht von diesem Staatsanwalt, sondern vom Oberlandesgericht zwei Monate später die Todesstrafe als Volksschädling gegen ihn bean­tragt wurde. Man weiß ja, wie das zugeht, wenn die Gestapo die traurige Lebensgeschichte eines Staatenlosen russischer Her­kunft aufrollt. Das Urteil lautete auf vier Jahre Zuchthaus. Als ich sein Nachbar wurde, saß er bereits über ein Jahr im Mathildenschlößchen und wartete auf seine Anklageschrift. Stepanenko verfügte über eine merkwürdige Kombinations­gabe. Er las aus den Heeresberichten nur das heraus, was

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