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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
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Chemnitz nicht sonderlich enttäuscht, zumal es eine Schüssel Graupen mit Kohlblättern und ein anständiges Stück Brot dazu gab.

Der vierte Zellengenosse war ein schweigsamer Bauarbeiter. Ein Norddeutscher. Seinen Namen habe ich vergessen.

,, Denkst du, daß sie noch hinrichten?" fragte er unvermittelt, als er seine Schüssel ausgelöffelt hatte.

,, Hast du Aussichten?" fragte ich.

,, Das kann man heutzutage nie so genau wissen. Es soll doch jetzt nach dem Urteil noch hundert Tage Frist geben. Das habe ich für bestimmt gehört. In der Zeit kann viel ge­schehen..."

,, Ist schon Verhandlung angesetzt?"

Noch nicht. Soll in Dresden sein vor dem Oberlandes­gericht."

Die machen keine Todesurteile", behauptete ich. In der Tat gehörten damals Todesurteile in Dresden noch zu den Aus­nahmen.

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,, Sag das nicht! Aber mir ist immer so ich weiß nicht als ob sich bis Ende Juli noch allerlei ereignen würde. Die Kugel rollt den Berg hinunter immer schneller

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immer schneller. Anklage auf Hochverrat. Was man heut zutage nun alles so nennt. Ist ja wohl auch was dran. Ich habe Berichte über die Lage in Deutschland an meine Genossen nach Dänemark gegeben. Kann ich nicht leugnen. Na ja wird sich alles historisch entwickeln. Auch das Ende der großen Schweinerei!"

Dann sagte er nichts mehr.

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Nummer fünf war ein Zwerg, der offenbar einer Zirkus­gesellschaft entsprungen war. Er sprach nur wenige Worte deutsch , und seine Muttersprache war nicht festzustellen. Er lächelte idiotisch und kaute auf einem Stück Gummi herum, das ehedem zum luftdichten Verschluß einer Weckbüchse ge­dient haben mochte...

Die Nachtruhe wurde durch Wanzen erheblich gestört... Am nächsten Morgen erwachte ich mit fürchterlichen Oh­renschmerzen. Ein Arzt war nirgends aufzutreiben. Nicht ein­mal ein Stück Zellstoff gab es in der Krankenstube des Ge­fängnisses, den völlig vereiterten Verband zu erneuern. Zudem sprang das Gerücht auf, daß wir noch einen Tag in Chem

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