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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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und zwei, und sind gefahren von Graz nach Leipzig iber Köln . Warum so weite Umweg? Niemand weiß es zu sagen! Als wir ankamen in Leipzig , gleich nach Ersatzgefängnis Riebeckstraße. Is da ein Mann in Zelle auf mich zugetreten, WO drin waren siebenundzwanzig, und hat gesagt: Herr Nantzu? Kennen Sie mir?' Hab ich gesagt nein, kenne nicht; aber vielleicht haben ich vergessen auf sein Gesicht, oder hat sich verändert in diese Zeit; soll mir sagen seine Namen. Hat gesagt, und gleich hab ich gewußt. Is gewesen Porphy­ronides, der Pope von Sparta. Auch verhaftet und weiß nicht, warum. War schon frieher mal in Leipzig und kennt meine Tochter und mein Schwiggersohn. Hat mir gesagt, daß die beiden sind auch verhaftet und sitzen in Wächterstraße.. Dann kam rasch Verhandlung. Du weißt ja, ich zahlen Strafe, un das Geschäft is verloren. Aber was macht das? Der gute Gott wird helfen, bis alles is zu Ende."

Lambro ist immer hilfsbereit. Eines Tages kramt Schmeh­ling niedergeschlagen in einem Bücherhaufen. Lambro fragt, was ihn bedrückt. Es stellt sich heraus, daß er ganz notwen dig fünfzig Mark braucht zur Aufrechterhaltung irgendwel­cher Sozialversicherungsansprüche. In diesem Augenblicke tritt unser guter Direktor Dietze in die Bücherei, um sich diesen Laden auch einmal anzusehen. Lambro bittet ihn um die Erlaubnis, seinem Konto, das natürlich auch von der Gestapo beschlagnahmt ist, fünfzig Mark für Schmehling entnehmen zu dürfen, und Schmehling legt dazu wortreich seine Notlage erläuternd dar. Dietze sagt sofort seine Hilfe zu und zwei Tage später hat Schmehling das Geld, das er braucht...

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Lambro schläft mit mir in einer Zelle. Er ist der freund­lichste und duldsamste Mitbewohner, den ich in meiner Lei­denszeit gehabt habe. Seine Tochter ist inzwischen aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen worden. Sie schleppt alles herbei, was sie für den Vater bekommen kann, und sie be­sticht den alten Hauptwachtmeister unserer Abteilung, so daß diese Herrlichkeiten tatsächlich bis in unsere Zelle gelangen. Sie besticht ihn durch ihre wahrhaft engelgleiche Schön­heit. Ob sie nicht auch noch ein paar andere Kleinigkeiten mit­wirken läßt, weiß ich so genau nicht; das aber weiß ich, daß der Alte von ihr schwärmt wie ein Tertianer... Eines Tages haben wir ein Ei und ein Glas eingemachter Oliven in unserer

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