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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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nur selten anzutreffen ist. Er ist bereits im Schnellverfah­ren verurteilt zu einem Jahr Gefängnis, sechshunderttausend Mark Geldstrafe, zahlbar in Lagerware nach der Bewertung des Treuhänders, und Landesverweisung nach Verbüßung der Strafe. Ich habe vergessen, wie das Urteil im einzelnen be gründet worden ist. Es ist in diesem Falle auch zu wissen nicht notwendig. Sein Lager an Pelzen stellt einen Wert von drei Millionen Goldmark dar und ist, beschlagnahmt'. Es wird zur Zeit von einem SS.- Sturmbannführer als Treu­händer verwaltet und inventarisiert. Lambro zeigt mir lächelnd die Bewertungen, die für die einzelnen Stücke eingesetzt sind. Die Preise erreichen etwa ein Fünftel der marktgängig zu er­zielenden... Sein Schwiegersohn, ein Jude, ist zu vier Jah ren Zuchthaus verurteilt wegen irgendwie gearteter Beihilfe und sitzt vorläufig, das heißt, bis in irgendeinem Lager wie der Platz wird, in der Elisenstraße...

Lambro erzählt:

,, Bin verhaftet worden in meine Wohnung in Athen , Omiru 52, am Meere. Is es herrlich dort, und ich wollte dort bleiben, bis mich der gute Gott wolle zu sich rufen. Hat man mich geschleppt in deutsche Militärgefängnis, ein altes Bau­haus in der Stadt noch aus türkische Zeit mit drei große Sälen, und hab ich keine Ahnung gehabt, warum man mich hat festgenommen..

Vier Wochen bin ich geblieben in Athen . Meine Familie und meine Freunde sind gekommen mich besuchen, und jede zweite Tag ein Paket mit zehn Kilo gut zu essen. Is lustig gewesen in Gefängnis, un die Posten gute Soldaten. Männer, Frauen und Kinder, dreißig Menschen, alle in einen Saal, haben gesungen ihre Lieder, haben Wein getrunken und haben

getanzt.

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Dann kam Transport nach Leipzig , zwanzig Tage gefes­selt in Waggon, war serr schlimm. Als wir gekommen nach Wien bin alte Mann von sechzig Jahre und schlechte Herz haben ich so geschwollene Beinen gehabt, daß nicht mehr konnte laufen bis in Gefängnis. Sieben Mann in eine Zelle, wo Platz höchstens für drei, wo es kalt war und keine Decken und viel Gestank. In Graz war bissel besser. Gab es Klosett mit Wasserspielung. In Waggon haben wir gestan­den ganze Tag dicht nebeneinander und gefesselt immer zwei

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