man sozusagen einfrieren lassen, in Gelee verwandeln und nachher aufs Gemüt streichen. Haha!"
Der Bibliotheksgehilfe war ein gelernter Buchbinder. Er hieß Felix. Seinen Zunamen habe ich vergessen. Er dokterte an zerlesenen Büchern herum. Unter seinen Händen wurden die Bände immer dicker, weil er auf jeden Riß im zerfallenden Holzpapier einen harten Streifen durchscheinenden Papieres klebte.
,, Die reinste Pfuscharbeit", pflegte er zu sagen, wenn er seine Streifen zuschnitt und mit Kleister bestrich. ,, Als Buch binder müßte man schamrot werden bei der Arbeit. Aber mache mal was ohne Material! Die alten Scharteken müssen alle aufgebunden und neu beschnitten werden. Das is natürlich gar nich zu machen!"
Felix war ein, Politischer'. Alter Gewerkschaftler. Zwei Jahre Gefängnis wegen illegaler Betätigung im Sinne der Koalitionsfreiheit. Als alter SPD. - Mann hielt er mich für einen Reaktionär, weil ich nicht politisch organisiert war.
99.
Wenn der Schwindel vorbei ist", sagte er verbissen ,,, dann wird aufgeräumt. Wer in der Partei war, der kriegt ein Haken kreuz auf beide Arschbacken gebrannt."
,, Da sieht man es doch nicht", wagte ich schüchtern einzuwenden.
"
Soll man ja auch gar nicht sehen! Hauptsache: es hat einmal richtig am Arsche gebrannt!"
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Man sieht, Felix war nicht rachsüchtig. Sein Sinn war mehr auf das Moralische gerichtet. Er war eben ein Politiker. Nur zwei Tage verblieb er in unserer kleinen Bibliotheksgemeinschaft. Dann ging er nach Bautzen ab, wo er den Rest seiner Strafe verbüßen sollte- als Buchpfleger' mit Streifenpapier und Kleistertopf...
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Wer wurde im Weltkriege ein brauchbarer Offizier? Wer die ganze Mühsal des Muskotenlebens im Schützengraben mit den Aermsten der Armen getragen hatte; wer Hunger und Todesangst, Nässe und Frost erlebt und erlitten, wer, von Läusen geplagt, alle Roheit und Niedrigkeit des Militarismus als unabwendbares Schicksal in sich hineingefressen hatte. Nur ihm erschließt der Mann aus dem Volke', er sei Markthelfer,
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