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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
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,, Fünf Jahre

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Zuchthaus. Aber, Kroll, das ist doch ganz

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ein Drauf

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unmöglich. Helmut war der tadelloseste Offizier gänger erster Klasse wie kann man ihn beschuldigen ,, Er hat im Kreise seiner Unteroffiziere was über die Sache Mölders gesagt. Weiß nich genau, wie es gewesen ist. Einer hat ihn eben bei der Gestapo verpfiffen, und man hat ihn verhaf­tet. Gleich Verhandlung. Fünf Jahre vom Sondergericht." ,, Aber ist denn da nicht ein Kriegsgericht zuständig?" Weiß nich, wie das is Riomiodiocadivo! Er hat eben fünf Jahre Knast gekriegt und gibt in der Materialverwaltung Sachen für die Arbeitskommandos aus."

" 9.

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, Und wie trägt er sein Schicksal?"

Kroll blickte mich verwundert, fast mitleidig an.

,, Schicksal! Nu machens aber a Punkt! Mopsfidel is er. Sagt, kein Jahr sitze er ab! Noch ein Winter kommt gar nich auf die Platte, sagt er. Die blödsinnigen Urteile sind Masken der Angst. Genau so sagt er. I hab mir das extra gemerkt. Mas­ken der Angst, finde ich, is großartig. I hab ihm erzählt, was i von Ihnen weiß. Er meint, wenn der Spitzel schwört, krie­gens zwei Jahre. Dann blieben Sie vielleicht hier. Der Wald­heimer Knast is überfüllt, es gehen schon gar keine Transporte mehr hin, un Straubing is gesperrt. Typhus oder Diphtherie, was weiß ich. In dene Ostlagern ist der Flecktyphus. Das is wieder eine andere Sorte von Krankheit. Nix Gescheites. Sie bleiben nachher hier. Was haben Sie denn schon auszup stehen? Sie schreiben den ganzen Tag. Was anderes machens zu Hause doch a net! Un dann läßt noch a andrer grüßen. Sie haben, scheints, lauter Bekannte hier im Hause. Ein Herr Schumann."

,, Schumann? Ich kenne einen Mann dieses Namens, der hier ein großes Baugeschäft führte."

,, Diplomingenieur Doktor ing. Schumann, soll ich sagen. Das is er schon. Er is seit dreiunddreißig bloß drei Monate frei ge­wesen. Erst in Hohnstein , dann in Sachsenburg, dann sieben Monate Knast, dann Buchenwald . Jetzt wieder hier. Der kann was erzählen!"

Ich blickte zum Fenster hinaus und schwieg ergriffen. Er lebte also noch, dieser Schumann, den man schon mehrfach tot­gesagt hatte. Ich fragte nach seinem Ergehen.

Wie's ihm geht? Oder is eine ganz große Nummer.

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