An einem der nächsten Tage wurde Lorenz aus der Zelle genommen. Er wurde in die Abteilung I verlegt, die den Spitznamen, Totaler Parisereinsatz' führte und in der Gummiartikel für die Wehrmacht verpackt wurden. Die Zeitungen waren ja voll davon, daß die letzte verfügbare Arbeitskraft eingesetzt werden müsse, und also fühlte sich auch unser guter Tütenklebemeister dazu verpflichtet, sein Produktionstempo zu steigern; mit dem Erfolge, daß eine Woche später sein Ma terial zur Neige ging.
Auch Kroll bekam plötzlich Arbeit in der Tischlerei. Er jubelte innerlich darüber, äußerlich aber blieb er beherrscht. ,, Zwanzig Zigaretten und eine Rolle Priem die Woche. Küche gleich nebenan!" bemerkte er sachlich. Was er sonst noch dachte, das sprach er nicht aus. Am Abend kehrte er in die Zelle zurück mit einer großen Schüssel Bratkartoffeln, einem Kopierstift, Nadel und Zwirn und einer Packung Zigarettenpapier.
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, Grüße soll ich Ihnen bestellen vom Obermeister Stets. Sie hätten mit ihm zusammen im Polizeiknast gelegen. Er führt die Schneiderei, hat fünf Franzosen sitzen und alles, was er braucht. Wenn Sie nicht satt werden, sollen's es ihm nur sagen. Er sorgt für alles."
Ich hatte kaum noch an diesen gefühlsbeschwerten Zellengenossen gedacht; war der Meinung gewesen, er sei längst auf freiem Fuße. Nun erfuhr ich durch Kroll, daß auch gegen ihn eine Anklage noch immer nicht erhoben sei.
,, Ferner soll ich Grüße bestellen von Herrn Oberstleutnant von Brecher."
Ich erschrak.
,, Helmut von Brecher?"
"
Weiß nicht, wie er mit dem Vornamen heißt. Sagt, er
wäre ein entfernter Vetter oder sowas von Ihnen."
-
,, Das ist richtig. Aber wie um Gottes willen Helmut war zuletzt in Afrika "
,, Stimmt. Dann is es der Richtige."
,, Und er hat Ihnen erzählt
GO
Ich mußte mich niedersetzen.
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