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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
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Spitzel Herbert Fink mir in den Mund legte, nicht auf dieses Ereignis? Wenn den Russen der Vorstoß zur Donmündung gelingt, ist der rechte Flügel, ist die Kaukasusarmee unrettbar verloren! So sollte ich gesagt haben. Die Aufgabe von Rostow durch unsere Truppen aber bedeutete um das zu sehen, brauchte man kein Feldherr von Gottes Gnaden zu sein die Trennung der Kaukasusarmee von der Hauptmacht und da­mit ihren Abgang in Gefangenschaft oder ihre Vernichtung. Ich bewahrte in der Zelle eine kleine Karte auf, die ich mir aus einer Zeitung geschnitten hatte. Die holte ich hervor und betrachtete sie nachdenklich...

Am 8. Februar, zwei Tage später, meldete der Heeresbericht die Räumung von Rostow...

Täglich sah ich jetzt neue Gesichter auf dem Hofe. Ein gan­zer Trupp Franzosen wurde eingeliefert, etwa fünfzig Mann auf einmal. Auch Polen traten wieder in größerer Menge auf. Immer neue Gefangene spie das Polizeigefängnis aus, immer mehr füllten sich die Zellen des Untersuchungsgefängnisses. Am 11. Februar bekamen wir einen dritten Mitbewohner.

Herr Ballrott war Bücherrevisor. Er war früh in seiner Wohnung verhaftet worden zwecks Vorführung zur Verhand lung, die um elf Uhr angesetzt war. Um zwölf Uhr kehrte er bereits wieder in die Zelle zurück, verurteilt zu einem halben Jahre Gefängnis.

Ein sonderbarer Fall: Er hatte einen uralten Witz, der im Jahre 1933 neu aufpoliert worden war, im Jahre 1942 abermals aufgewärmt und war deshalb von einer Untermieterin seiner Wohnung als Staatsfeind angezeigt worden. Der Vorgang selbst war vom Richter als, dummes Geschwätz' bezeichnet worden, woraus sich auch erklärte, daß der Mann nicht mit Zucht haus bestraft worden war, sondern ganz gewöhnlichen Ge­fängnisknast aufgebrummt kriegte.

,, Ja was haben Sie denn nun eigentlich gesagt?" fragte Schneider harmlos.

Ballrott wollte zuerst nicht recht mit der Sprache heraus. Schließlich überwand er aber doch seine Bedenken.

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, Gottchen

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es war im Grunde so harmlos. Sie hatten alle irgendeinen Witz erzählt, und da wollte ich auch was zum Be­sten geben. Göring besucht eine Klapsmühle und fragt da so

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