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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
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wesen und hatte ein Stück der großen Welt gesehen. Wenn er Langeweile hatte, klebte er Tüten. Manchmal machte er Zu­kunftspläne. Merkwürdig: er pochte nicht auf seine Unschuld; schien eine Aufhebung des harten Urteils gar nicht ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Anderseits aber glaubte er offenbar auch nicht daran, daß er diese Strafe wirklich verbüßen werde, ließ es aber an einer klaren Begründung für seine Hoffnung feh­len. Nur einmal sagte er: Diese politischen Urteile müssen ja mit dem Ende des Krieges samt und sonders kassiert werden; anders ist das gar nicht möglich!" Er ließ offen, wie er sich dieses Kriegsende vorstellte. Seine politische Haltung blieb. mir lange ein Geheimnis. Er hatte als Offizier im Baltikum, unter Rüdiger von der Goltz gekämpft und war ein begeisterter Anhänger Ludendorffs. Wie sein großes Vorbild hatte er sei­nen Frieden mit Hitler nicht gemacht; indessen wäre es völlig verkehrt gewesen, ihn für einen Feind der Nazis und der imperialistischen Regierung zu halten. Als ehemaliger Offizier hielt er sich für verpflichtet, strategische Einsichten zu besit­zen. Er legte unter Anwendung militärwissenschaftlicher Fach­ausdrücke dar, wo im Osten unsere Heeresführung die ent­scheidenden Fehler gemacht habe, und er hielt mein Schweigen zu seinen Darlegungen für Zustimmung, die ihn immer wieder ermunterte, dieses unerschöpfliche Thema erneut abzuwandeln. Einmal sprach er auch die Absicht aus, Deutschland zu ver­lassen, wenn er dieses Haus einmal hinter sich hätte. Das Land seiner Sehnsucht war Dänemark . Er kannte die Verhält nisse dort offenbar gut, er war geborener Schleswiger...

Der Jänner war vorübergegangen, still und in leichter Re­signation; von einer Amnestie war schon längst keine Rede mehr. Am 6. Februar sprang ein neues Gerücht auf. Beim täg­lichen Rundgang auf dem Gefängnishofe lief vor mir ein schwächlicher Junge in zerlumpter Wehrmachtskleidung. Acht­zehn Jahre mochte er alt sein und litt unter epileptischen An fällen. Er hatte unter dem Schutze der Verdunkelung war die übliche Formel geworden ein Pfund Bohnenkaffee gestohlen. Der also flüsterte mir zu:

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das

,, Die Russen kämpfen um Rostow. Sie sollen schon drin sein!"

Dieses Gerücht wühlte in mir einen sonderbaren Sturm von Gefühlen auf. Bezog sich die prophetische Aeußerung, die der

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