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ziehen steht eine lange Zuchthausstrafe, vielleicht gar die Todesstrafe...
Er ist völlig gebrochen. Stöhnt im Schlafe. Weint stundenlang und verflucht sein unseliges Verhalten. ,, Wo ich es doch gar nicht nötig hatte!" ruft er verzweifelt aus. ,, Ich bin ja höchstens arbeitsverwendungsfähig und wäre sicherlich auf Reklamation freigekommen ich dreimal verfluchter Esel!"
Stürmische Reue entbehrt niemals ganz der Komik. Nun seine Lage so kritisch geworden ist, wünscht er plötzlich das Ende des Krieges herbei. ,, Soll mir ganz schnuppe sein, wer ihn ge winnt!" so meint der, Siegfriedrichs' jetzt.„ Wenn der Krieg alle ist, komme ich bestimmt heraus!" Zum Ueberfluß hat er sich nun freiwillig zum Wehrdienst gemeldet, weil er der Mei nung ist, dies mache einen guten Eindruck beim Untersuchungsrichter. Aber das Wehrkreiskommando hat seine Meldung zurückgegeben mit der Bemerkung, daß eine Entschlie Bung darüber erst nach Abschluß des gegen ihn schwebenden Verfahrens möglich sei...
Er leidet sichtlich unter Abstinenzerscheinungen, weil ihm die Zigarette fehlt, und das ist abermals nicht dazu geeignet, die dauernd abfallende Stimmungskurve zu heben. Nun aber ist ihm ein Helfer in der Not erstanden. Seit gestern haben wir einen dritten Zellengenossen, einen französischen Kriegsgefan genen mit Namen Lambert Giraud. Er hat schon drei Monate im Polizeigefängnis gesessen, wo er nicht hat rauchen können. Nun bringt er etwa zweihundert Zigaretten mit in die Zelle, die wunderbarerweise nicht auf dem Transport verunglückt sind und ich habe ein paar Streichhölzer organisiert. Jetzt raucht der Ofen wieder, und der gute Friedrichs ist meinem Trostwort wieder zugänglich...
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Ein paar Tage später wurde der Bankmann aus meiner Zelle genommen. Er hat ein Küchenkommando bekommen und hofft auf bessere Verpflegung. Die, Partei' hat sich hintenherum ein wenig für ihn verwendet. Der Franzose ging mit ihm und ich war wieder allein.
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ab
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Eine Stunde später hatte ich einen neuen Mitbewohner in meiner Zelle. Ich hatte den Mann schon beim täglichen Spaziergang beobachtet; ein älterer Herr von gepflegtem Aeußeren,
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