£lucht oder Tabakschiebung. Viele von ihnen waren vorbes straft; nicht immer um des gleichen oder auch nur eines ähn- lichen Vergehens willen, das sie hierher gebracht hatte;„Wer vorbestraft ist, kommt anschließend ins Lager zur Besserung!“ sagte ein Alter beim Rasieren in der Rundhalle.„Dort ma chen sie ihn fertig!“
In der Zelle hundertacht wohnte ein griechisch-orthodoxer Geistlicher zusammen mit drei Polen , die wegen Arbeitsverweis gerung eingesperrt waren. Der Grieche— Stepalopulos hieß er— hatte den Athener Sender abgehört. Er war schon drei Monate drüben im Polizeigefängnis gewesen. Anklage war noch nicht erhoben. Der evangelische Gefängnisgeistliche be» suchte ihn täglich und unterhielt sich oft lange mit ihm! ver der Zelle.
Eines Tages kam dieser Gefängnispfarrer auch zu mir, um sich nach meinen geistlichen Bedürfnissen zu erkundigen. Ich war einigermaßen erstaunt über diesen Besuch. Der Pfarrer kümmerte sich sonst kaum um die Untersuchungsgefangenen. Was mir die besondere Ehre seines Besuches verschaffe, fragte ich gerade heraus.
Es sei seine Pflicht, auch den Untersuchungsgefangenen * Trost zu spenden, sagte er einfach. Im allgemeinen werde die- ser Trost ja von diesen Weltkindern abgelehnt. Sie seien vor einer Verurteilung noch nicht ‚so weit‘. Es sei eben das Los der Seelsorge in Gefängnissen, daß sie steinigen Boden be> ackern müsse. Aber etwas falle doch eben auch auf gutes Land und bringe Frucht hundertfältig. Was mich hierher geführt habe?
Ich berichtete kurz, und der Pfarrer hörte sich alles an ohne Einwand oder Zwischenfrage. Dann sagte er:
„Ach, vor Gott ist das alles ja so nichtig. Erheben Sie Ihre Seele zu Jesum Christum, der allein helfen kann, und Sie werden Trost in seinem Worte finden. Er verwirft die Sünder nicht. Denken Sie an die schöne Stelle Johannes am Achten, wo der Herr zu den Pharisäern spricht: ‚Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf siel‘“
„Ein schönes Wort“, sagte ich,„nur— einmal trifft es mich und meine besondere Lage gar nicht, und zum andern, es ist nicht von Christus. Die Stelle im Johannisevangelium ist zuverlässig als Interpolierung erkannt.“
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