Hauswirt. War auch eine Spielratte, wie die meisten Juden meiner Bekanntschaft; saß jeden Abend im Zentral. Kurt, sagt er eines Tages zu mir, wovon lebst du eigentlich? Ich. sagte: Vom Geschäft und von der Rente. Sagt er wieder: Die Leute haben jetzt dicke Brieftaschen und schmeißen das Geld nur so zum Fenster’raus. Du mußt dich dahin stellen, wo es hinfällt. Wohin also? frag’ ich. Und nun erklärte mir der Moses Meisenstein, wie er sich die Sache dachte. Er wollte mir die Wohnung glänzend einrichten und auf die Miete pfei- fen, wenn man bei mir spielen könnte. Was denn spielen? frag’ ich dumm. Nu, wer mer spielen ä harmloses Karten’ spiel, un hinterdrein vielleicht ä Pokerchen oder ä kleine Roulette. Leute hätt’ ich genug für ä Klub.—
Die Sache ging also los. Ganz reell! Ich hatte jede Woche zweimal Geburtstag mit einem anständigen Abendbrot und guten Weinen. Meine Braut war ein fixes Mädel. Sie kochte und führte die Kasse, und es rollte bei uns ein schauderhafter Kies’rein. Ich spielte in meiner Wohnung grundsätzlich nicht mit. Hätte die Gimpel ja rupfen können nach Strich und Faden. Aber der Moses Meisenstein wollte davon nichts wissen. Er hat trotzdem eine Menge Geld in meiner Wohnung gelassen.“
Das Geschäft geht eine Weile gut. Aber schließlich‘ wird der Klub zu groß. Ein im Vertrauen auf seine Verschwie- genheit zugezogener Fremder verliert eine zu große Summe und redet von Falschspiel. Die Polizei bekommt Wind von der Sache und schließt den Klub. Kurt Apostel wird wegen Duldung gewerbsmäßigen Glücksspiels zu zwei Jahren Zucht+ haus verurteilt.
„Die zwei Jahre in Celle ist mir’s nicht schlecht ergangen. Erst habe ich Tüten geklebt; nachher kam ich in die Land» wirtschaft. Als ich nach Verbüßung der Strafe nach Hause kam, wollte mir der Alte ein Geschäft in Leipzig einrichten. Aber ich dankte. Machte mich vielmehr auf die Socken und landete eine Woche später in Stambul . Ich hatte da nämlich im Zuchthaus einen netten Kerl kennengelernt, den Max Buchmann, der einen Monat vor mir entlassen worden war. Kurt, sagt’ er einen Tag, ehe er’rausging, zu mir, ich gehe zumı Bahnbau bei der Schwedisch-Türkischen. Die legen jetzt die Strecke durch Anatolien von Haidar-Pascha aus, und da kannst du mitgehen. Ich kenne den Direktor, und der Direktor kennt
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