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beigebracht, so, wie ich es eben erst selber gelernt hatte. Was aus ihnen später geworden ist, weiß ich nicht. Im Heeresbericht habe ich jedenfalls keinen ihrer Namen jemals erwähnt gefunden. Dann wurde mein Laden aufgelöst, und ich ging als Führer eines Beobachtungsflugzeuges nach dem Bal kan ."
Hier entfaltet Kurt seine Talente. Er wird einer der glücklichsten Beobachtungsflieger und zugleich ein guter Kenner von Land und Leuten in Bulgarien . Wenn er Einzelheiten aus dieser Zeit seines Lebens erzählt, strahlen seine Augen begeistert. Er spricht dann gewöhnlich von einem am Spieẞ gebratenen Hammel, der mit Sauerkirschen und Weinlaub gefüllt ist, oder von einem Truthahn, so groß wie der Vogel Strauß. Endlich aber erwischt es ihn doch einmal. Bei einem Erkundungsflug über Saloniki zerschmettert ihm eine Schrapnellkugel das linke Ellenbogengelenk. Er bringt seine Maschine eben noch zur Bruchlandung und wird ohnmächtig aus dem Führersitz gehoben. In Linz , wo er im Lazarett liegt, erreicht ihn sein Schicksal: er lernt eine Krankenschwester kennen und heiratet sie.
,, Ein hübsches Mädel, kann ich dir sagen, und Geld war auch da. Der Vater hatte ein Textilhaus und machte groß in imprägniertem Loden. Aber die Mutter war erzkatholisch und wollte von der Heirat ihrer Tochter mit einem Ketzer nichts wissen. Na, das Mädel setzte natürlich seinen Willen durch, und wir wurden kriegsgetraut. Ganz groß und mit viel Auftrieb. Katholisch Ehrensache; aber das war mir ziemlich gleichgültig. Ich hatte inzwischen ein silbernes Gelenk gekriegt und konnte den Arm schon wieder ganz gut bewegen. Aber darauf kam es meiner jungen Frau gar nicht so sehr an. Sie hatte Temperament. Na ja, ich ging doch nun wieder ins Feld, und nachher kam ein kleines Mädchen an, genau dreizehn Monate nach unserer Trennung. Diese Verspätung konnt' ich unmöglich auf meinem männlichen Stolze sitzen lassen; ich ließ mich also scheiden."
Kurt erlebt das traurige Kriegsende in der Heimat. Mit dem Vater hat er sich leidlich ausgesöhnt. Er tritt wieder ins Dresdner Geschäft ein, schafft sich eine Braut an und bewohnt mit ihr höchst unbürgerlich eine Etage in der Innenstadt.
,, Damals lernt' ich den Moses Meisenstein kennen, meinen


