kam eines Abends an und fragte, ob ich mitginge; er verdufte nach Konstantinopel . Ja, sagt' ich, alles gut und schön, aber was wollen wir bloß in Konstantinopel anfangen? Er meinte, dort läge das Geld auf der Straße. Zum Beispiel, wir könnten ein großes Geschäft in Südfrüchten machen. Na, von der Branche verstand ich ja einiges. In Brussa, sagte Alfred, könn ten wir bei einem Griechen bleiben, der mit seinem Vater Ge schäfte machte, solange wir wollten... Na ja, ich hatte den Kram in Dresden satt. Die Freundin hing mir auch zum Halse raus. Sie war eifersüchtig, wenn ich mal mit einer von den Pensionärinnen abhaute also nischt wie los!"
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Die beiden Jungen fahren mit der Bahn bis Linz und von da mit einem Schlepper die Donau abwärts bis zur Mündung. Von Varna lösen sie sich eine Schiffskarte nach Konstantinopel . ,, Zum ersten Male in Stambul ! Mensch
na, du kennst es ja. Gibts überhaupt eine schönere Stadt in der Welt? Wir hatten Geld, und ans Arbeiten dachten wir alle beide nicht fünf Minuten am Tage. Früh um sechse mit dem Motorboot den Bosporus hoch bis Büjük Dere, und über die Hänge mit den alten Kastellen mitten hinein ins Mittelalter und ins graue Altertum. Das war was für uns! Und dann der Betrieb am Goldenen Horn! Es hat keine drei Wochen gedauert, und wir konnten türkisch, griechisch und armenisch schachern wie die Alten. Unser bißchen Englisch und Französisch, das wir gelernt hatten, das hat uns auf Ehre dort keinen Pfifferling was genützt. Mit Deutsch kam man immer noch am besten aus. Mensch, haben wir ein Leben gehabt! Und zu Hause hatten sie noch immer keine Ahnung, wo wir uns rumdrückten! Von Brussa aus habe ich dann einen Brief nach Dresden ge= schrieben; sie sollten sich nur keine Sorge um uns machen, wir fänden uns schon zurecht. Unser Grieche war natürlich eine Pleite. Hat uns noch die letzten Platten aus der Tasche ger zogen. Aber das machte uns fast gar nichts aus. Wir zogen weiter, immer weiter, und plötzlich waren wir im sogenannten Heiligen Lande. Mensch! So ein Heckmeck! Bethlehem ist ein ganz großes Geschäft, sag ich dir! In Jerusalem wohnten wir bei einem Kuttenmann, der füllte Erde in kleine Mousser linsäckchen, ließ sich vom Griechischen Patriarchen eine Bes scheinigung ausstellen, daß sie aus dem Garten Gethsemane stamme, und verkaufte die Säckchen für ein türkisches Pfund
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