er Mäntel und Wäsche und brachte eine Aktentasche irgend» woher zum Vorschein, die er ungeprüft durch die Revision gebracht hatte.
„Ich habe Priem, ich habe Tabak; aber ich habe keine Zünd- hölzer. Der gottverdammte Himmelhund von Kalfaktor hat sie mir aus der Hosentasche gefilzt.“
„Hab ich!“ sagte ich' stolz.
„Bon! Heute abend wird eine Pfeife Tabak geraucht. Ich sitze seit dem vierten Dezember drüben in der Wächterstraße ohne einen Zug des Herzens” Mensch, da kommt man ab, bei dem Fraß nämlich, den sie einem dort anbieten. Zehn Pfund hab ich zugesetzt in den vierzehn Tagen!“
Apostel sprach viel und gern. Aber er war ein Praktikus in allen Fragen des Knastlebens. Als am nächsten Tage früh der Meister kam und Papier brachte zum Tütenkleben, zeigte er sich völlig auf der Höhe der Situation.
„Schon gut, Meister! Bitte, weiter keine Erläuterungen, sonst stellen wir Ihnen hier einen Rekord auf. Völlig im Bilde:, Habe im Zuchthaus Celle ein Jahr lang die Meisterschaft im Kleben der gefütterten Bodentüte innegehabt. War da einfach nicht zu schlagen. Gibts hier eine Schachtel Priem fürs Tausend?“
„Ihr alten Knasthasen kommt natürlich gleich mit Priem“, sagte der Meister mit leichtem Tadel in der Stimme.„Ich gäbe ja gerne was aus; aber ihr wißt doch, wie’s draußen aussieht. Alles auf die Karte. Hier gibts fürs Tausend vierzig Pfennige. Sonst nichts.“
Apostel blickte ihn mit komischer Bestürzung an.
„Keinen Priem? Ja— arbeiten denn da eure Leute über- haupt? Das is doch gar nich menschenmöglich—— keinen Priem!“
Der Meister verließ die Zelle mit betrübter Miene. Er hätte ja gern einen Priem ausgegeben, denn er wußte nur zu gut, daß Apostel recht hatte mit der Kritik der Arbeitsentloh- nungsmethoden in diesem Hause. Die Leistung war erschrek- kend zurückgegangen, seit das Verbot der Abgabe von Priem ergangen war.„Kann’s auch nich ändern!“ murmelte er ver- bissen in sich hinein. Dann knallte er die Türe zu.
„Den Mann mach’ ich noch fertig!“ bemerkte Apostel obenhin.„Wär’ noch schöner, wenn wir keinen Priem kriegten.
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