zeichnis der„Effekten“ eingegangen waren. Ich mußte ein wenig gerührt lächeln. War es nicht eine sonderbare Fügung, daß gerade Johann Peter Hebel und sein Schatzkästlein mich in die Einsamkeit dieser Zelle begleiteten? Der gute alte Haus> freund, der so viele Herzen getröstet, so viele schlichte Ges müter aufgerichtet hat: er wollte nun auch mir mit einem gütigen Lächeln Trost spenden!
Zwei Besuche erhielt ich noch an diesem Tage: Der Biblios thekar erkundigte sich nach meinen Lesewünschen, der Tüten klebemeister nach meinen Arbeitswünschen.
Der Bibliothekar, ein verstaubter Oberlehrer mit verschlos- senem Gesicht, in dem das vollendete Mißtrauen gegen alles Menschliche deutlich zu lesen war, hatte offenbar seine Eigen« heiten. Er schien zu erwarten, daß ich bei seinem Eintritt in die Zelle die Hacken zusammenschlagen, zum mindesten aber eine militärisch beherrschte Haltung einnehmen werde. Als ichi nichts dem Aehnliches tat, schüttelte er sanft tadelnd sein graues Haupt.
„Was würden Sie gern lesen?“
„sind Bücher in englischer Sprache zu haben?“
„Einiges. Haben Sie einen besonderen Wunsch?“
„Vielleicht ein Buch von Josef Conrad...“
„Alle neueren Engländer sind ausgeschieden worden.“
„Aber Josef Conrad ist gar kein Engländer.“
„SO... Aber er hat doch„englisch geschrieben. Was soll er denn da sonst für ein Landsmann gewesen sein?“
„Ein Pole.“
„Na, das ist ganz dasselbe. Da wäre er auch’rausgeflogen. Also ich werde Ihnen was schicken.“
Er verschwand ziemlich eilig.—
Der Tütenklebemeister war ein lieber Mann in mittleren Jah- ren. Er lächelte mich gutmütig an und meinte so nebenher:
„Sie wissen ja noch nicht, wie lange Sie hierbleiben. Keiner weiß das. Immer Kopf hoch! Habe schon was läuten hören, wie Sie’reingekommen sind. Da wollen wir uns nur nicht gleich so heftig ins Geschirr werfen. In ein paar Tagen frage ich mal wieder nach. Wenn Sie dann den unstillbaren Wunsch haben, im totalen Tüteneinsatz mitzuwirken, kann ja dann auch noch Rat werden.“


