„Tja“— sagte der Polizeier gedehnt, als ich meinen Bericht beendet hatte,„das sieht verdammt finster aus.“
„Wieso?“ fragte ich erstaunt.
„Sehr einfach— weil das Sondergericht den Soldaten schwö- ren läßt. Dann bist du geliefert. Wier eine Anzeige bei der Stapo macht, der schwört auch. Ganz bestimmt. Darauf kannst du dich verlassen!“
„Das Gericht kann ihm doch den Eid nicht zuschieben!“
„Du vergißt die Hitlerjugendnadel! Wer die hat, der kriegt den Eid, und du kriegst zwei Jahre.“
„Was zwei Jahre——“
„Wie meinst du das?“
„Mach dir selber einen Vers drauf. Ich halte die Schnauze.“
Die Türe ging auf, und Berger trat herein. Ich begrüßte ihn mit dem Gefühl der Erleichterung. Berger war offenbar ein Mann von Verstand. Ich unterbreitete ihm meinen Fall, und er hörte aufmerksam zu.:
„Du müßtest zunächst einmal wissen, wie die Geschichte weitergeht“, sagte er, als ich ihn erwartungsvoll anblickte. „Heute nachmittag kommst du vor die Gestapo . Kleine Sache. Helfferichstraße. Dort wirst du noch einmal verhört.“
„Das hat gar keinen Zweck“, sagte ich unwillig;„ich habe alles gesagt, was zu sagen ist, und kann dem weder etwas hinzufügen, noch etwas davon wegnehmen.“
„Dann sagst du eben dasselbe noch einmal. Die Gestapo braucht ein richtiges Protokoll. Wenn du Glück hast, kommst du dann morgen in die Moltkestraße. Das ist Staatsanwaltschaft; da hast du’s besser. Behandlung, Essen, Unterkommen—
obwohl die Bedingungen der Untersuchungshaft sich neuerdings
verschärft haben. Wie gesagt, wenn du Glück hast. Aber der
Kerl sein; er wird dich überweisen. Außerdem ist hier kein Platz mehr. Also!“
„Und was dann?“
„Na bitte, nur keine jüdische Hast. Untersuchung— da kannst du bis April, Mai rechnen, ehe sich jemand um dich kümmert, und nachher ist es immer'noch fraglich, ob der
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