ER
So versickerte der Tag; so die Nacht...
Am Montag wurde ich zur Vernehmung aus der Zelle ge- holt. Richtig, derselbe Mann, der mich verhaftet hatte, nahm auch das Protokoll auf in einer freien Arrestzelle des Erd» geschosses.
„Bitte, nehmen Sie Platz!“
Auf alles andere war ich gefaßt gewesen, nur nicht auf Höflichkeit.
„Nicht auf der Bank— bitte, hier ist ein Stuhl. Rauchen Sie?“:- „Leidenschaftlich. Aber nicht in diesem Augenblicke. Danke!“
Er setzte sich, brachte umständlich seine Zigarette in Brand, spannte einen Bogen in seine Reiseschreibmaschine und sagte, indem er die bekannten Daten ablas:
„Sie sind also der Studiendirektor Johannes B..... 88 boren am 15. März 1884 zu Leipzig , verehelicht mit Elsbeth), geb. Gebhardt, drei Kinder im Alter zwischen 31 und 28 Jah- ren, davon zwei Söhne, bereits im Felde. Nicht Freimaurer . Mitglied der NSDAP. ?“
„Nein.“
„Gliederungen?“
Ich verstand den Sinn dieser Frage nicht sofort.
„Ja, da habe ich‘ wohl regelmäßig ‚etwas bezahlt. Das er+ ledigt meine Frau.“
„RLB.?“
„Was heißt das?“
„Luftschutz.“
„Wahrscheinlich. Auch dass——“ „NS.-Lehrerbund?“ „Nein.“
Er blickte erstaunt auf.„Wie haben Sie denn das fertig- gebracht?“
„Ich war kurze Zeit in dem Vereine, bin aber dann wieder ausgetreten, weil mir allerhand dabei nicht gefiel.“
„So— so.—— und da wundern Sie sich— na also: SA. oder SS.?“
„Nein.“
„Na sehen Sie, wie rasch wir uns verständigen! Sie haben. am 5. November mit Ihrer Frau und einem Soldaten zus
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