Faul, dreckig, hinterhältig, neidisch, gefräßig.„Wir hatten einen Stallhasen auf dem Tische. Er hat davon gekriegt. Aber vielleicht nicht genug? Jeder hat bei uns von allem gekriegt, was auf den Tisch kam. Jeder ist satt geworden. Aber mehr als man hat, kann man nicht geben. Und bei mir ist doch alles dal Meinen Garten müßtet ihr sehen!(Das Du unter uns drei Zellengenossen hatte sich ganz von selbst einge- führt.) Da habe ich einen.Amor mit Pfeil und Bogen aus echtem Marmor gekauft. Ein richtiges Kunstwerk; hat zwölf-
"hundert Mark gekostet. Eigentlich sollte es eine Venus werden,
aber Martha sagte, wegen der Leute wäre der Amor besser. Im Winter, wenn die Hecke kahl ist, sieht man’s vom Wege aus, und die Menschen sind ja so neidisch! Ach— die Men schen—— die Menschen!“
„Da wüßt ich für zwölfhundert Mark schon was Geschei- teres“, meinte der unsittliche Hilfspolizist.
„Was denn? Du kannst ja heute nichts mehr kaufen fürs Geld!“
„Dort gibt's auch nichts Vernünftiges mehr zu fressen!“ “ Womit das Stichwort für eine außerordentlich belebte Unter- haltung gegeben war. Im Polizeigefängnis regierte der Hunger und vergiftete die sozialen Beziehungen der Gefangenen unter einander. Wer keine substantiellen Beziehungen zur Außen-
- welt hatte, der fiel hoffnungslos im Gewicht ab.„In zwanzig
Tagen zehn Pfund!“ sagte Stets, indem er seine schlotternde Weste im Kreuz zusammenzog, um einen eleganten Sitz vor zutäuschen.— Der Polizist hatte sein Gewicht fast gehalten. Einssiebzig groß— sechzig Kilo. Das hatte er auf der Waage gehabt, als er hereinkam.
Die Sonntagskartoffeln— Schalenkartoffeln mit Herings- tunke— waren stark angefault; mehr als die Hälfte davon war ungenießbar.
Hunger weckt seltsamerweise in allen Hirnen ähnliche Bil-
der. Der Polizist erzählte von einer Riesenkalbshaxe, die er in.
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