sofort zur Anzeige gebracht.
-
Inzwischen habe er sich ahnungslos wieder angezogen und eben mit seiner Frau und seinem kleinen Mädel das Haus verlassen wollen, als zwei Polizeibeamte ihn verhaftet hätten. In der Verhandlung habe die Frau des Offiziers so etwas wie Reue gezeigt, sie lege keinen Wert darauf, daß der Mann bestraft werde. Aber der Vorsitzende habe gemeint, das solle sie nur der Sorge des Ge richts überlassen. So sei er wegen Sittlichkeitsvergehens zu einem halben Jahr Gefängnis gekommen. Aber die Kameraden hier im Hause machten es ihm leicht. Sie wüßten ja, weshalb er hier säße, und ein Gnadengesuch sei auch auf dem Wege.
-
Ich hatte gleich Vertrauen zu dem jungen Manne. Seine Sprache war schlicht, seine Worte trugen den Stempel der Aufrichtigkeit und Wahrheit. Mit einem glücklichen Lächeln zeigte er mir das Bild seines kleinen Mädels, das man ihm bei der Revision belassen hatte. Ja, seine Frau käme fast täglich in der Dunkelheit herein, und er träfe sich mit ihr in der Wacht stube. Die Kameraden drückten ein Auge zu. Da könne er zwei Stäbchen rauchen und dies und jenes mit ihr bespre chen. Er rechnete bestimmt mit seiner Begnadigung am 30. Januar. Auch in diesem Kopfe also spukte die Amnestie!
Zwei Gefangene brachten das Abendessen: eine dünne Roggenmehlsuppe und ein Stück Schwarzbrot. Dann machten wir uns zur Nacht zurecht. Stets lag im Feldbett, der Hilfspolizist auf dem Fußboden unter dem Fenster, ich lag mit dem Kopf nach der Türe zu an der Längswand, in zwei Decken gewickelt. Das Fenster blieb offen. Der Steinfußboden war eisig. Ich schlief mit dem tröstlichen Gedanken ein, daß ich bestimmt nicht mehr fünfzig Jahre zu warten brauche, bis alles vorbei sei...
Erstes Protokoll.
Der Sonntag verging in Gesprächen ohne eigentlichen Gehalt. Wovon unterhalten sich Polizeigefangene eigentlich? Zunächst natürlich von ihrem Fall'. Stets entrolllte ein lebendes Bild vom abgenutzten Charakter des tschechischen Schneidergehilfen, der ihn bei der Polizei angeschwärzt hatte.
25


