,, Ja, das ist Lange. Ein bösartiger Dummkopf. Er wird Ihnen einen Schriftsatz vorlegen. Sie sind von irgendwem bei der Stapo angezeigt worden. Ueberlegen Sie genau, was Sie zu Protokoll geben. Am weitesten kommen Sie immer mit der Wahrheit. Gewöhnlich handelt es sich um Aeußerungen, die erst dadurch strafwürdig erscheinen, daß der Staatsanwalt ihnen einen bösartigen und gehässigen Sinn unterlegt. Lange ist Ihnen dankbar, wenn Sie ihm das Protokoll ein wenig formu lieren. Er steht zur deutschen Sprache in einem unzüch tigen Verhältnis. Vorbestraft sind Sie natürlich nicht. Sehen Sie der Vernehmung mit Ruhe und gebotener Zurückhaltung entgegen. Reden Sie nicht zu viel. Das wäre zunächst alles." Er sprach mit der Sicherheit eines erfahrenen Rechtsanwalts.
--
-
-
,, Und wie steht es mit dem Mikrophon in dieser Zelle?" ,, Das ist Gerede. Vielmehr die Sache hat sich nicht be währt. Die Menschen, die hereinkommen, sehen überall Gespenster. Später vielleicht erzähle ich Ihnen das mal ausführlich. Natürlich hm hier sind wir völlig unter uns, und Sie können reden, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist. Bei der groben Art, Urteile zu machen, hat das Gericht derartige Dinge gar nicht mehr nötig. Das Mikrophon in der Gefängniszelle gehört in den englischen Kriminalroman. In Deutschland arbeitet man mit dem Annahmeparagraphen." Er wusch sich und schlüpfte in Hauskleider. Seinen Sportanzug legte er sorgfältig zusammen.
,, Man muß pfleglich mit seinen paar Punkten umgehen", bemerkte er sachlich ,,, es ist schwierig, was Neues in guter Qualität zu bekommen, und wenn man inseriert, kommt man in Verdacht, illegal zu handeln, was ein Vergehen gegen den Paragraphen Sowieso irgendeiner Kriegsverordnung ist. Ich bin gewarnt!" Dann wendete er sich freundlich an Stets. ,, Ich habe dem Alten Bescheid gestoßen. Deine Martha kommt Montag abend und bringt dir frische Wäsche. Er holt dich runter, und du kannst sie einen Augenblick sprechen. Der Polizeier kommt heute abend auch wieder zu euch rein. Er hat was zu Rauchen. Du weißt Bescheid. Nun mache kein Theater, wenn deine Martha kommt. Du mußt ihr eine Stütze sein in diesen Tagen. Verstehst du? In fünfzig Jahren ist alles vorbei."
23
25


