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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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geschriebenes Leben auch dann, wenn es sich jener Formen bedient, durch die die Kunst sich darzustellen gezwungen sieht.

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Nicht alles, was die Zeit mir in die Feder diktieren wollte, habe ich niedergeschrieben, und insofern unterscheiden sich diese Aufzeichnungen von dem, was der Journalist eine Reportage nennt. Was aber ich festhielt, ist Wahrheit im letzten und höchsten Sinne. Wenn der Hochmut des Dummen diesen Blättern den Stempel der politischen Absicht auf­drücken will, des Phantastischen oder gar des Schelmenhaften, dann kann ich nur mit allem Ernste und mit aller Feierlich­keit, deren ich fähig bin, versichern: Alles dies ist so wirklich, wie das Ende des Dritten Reiches im Kampfe um Berlin . Man verlange deshalb nicht zu viel von diesen Schatten und Ge­stalten. Sie stehen außerhalb aller stilkritischen also künst lerischen Wertung. Die Zeit kann nun einmal nicht über­zeitlich zu den Menschen sprechen. Eine Ilias , eine Göttliche Komödie , einen Faust zu schaffen, ist ihr nicht gegeben. Sie spricht immer nur zu sich selbst. Schon von der nächsten Generation werden ihre Worte nicht mehr richtig verstan­den. Ob unsere Kinder begreifen, was und warum ihre Väter leiden mußten wer vermag das zu sagen? Selbst die Menschen, die all dieses zeitlich miterlebten, begreifen sie den ganzen Umfang des Notstandes, unter dem sie jahrelang geat­met haben? Der Dichterin Zeit sind nicht Werke zu schaffen verliehen, die fortzeugen wie lebendige Menschen. Nur sehr bedingt vermag sie zu bessern und zu belehren, oder gar die Augen zu öffnen, denen nämlich, die noch immer blind sind. Darum kurz und klar: Dieses Buch der Zeit kann und will nichts anderes geben als ein Bild ihrer selbst. Wem es nicht gefällt, der lege es beiseite.

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Johannes Berbig.

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