Während er in den Hauseingang Nummer 63 geht, überdenkt er, daß er sofort wieder nach Fuhlsbüttel kommt, wenn hier eine Sitzung stattfindet und ausgehoben wird.

Auf einem Messingschild steht ,, Fritz Kretschmar". Er klopft an die Tür. Eine alte, gebeugte Frau öffnet, ohne die Kette abzunehmen.

,, Meinen Sohn wollen Sie sprechen? Einen Augenblick." Sie klappt die Tür wieder zu. Nach einer Weile öffnet sie. ,, Kommen Sie herein."

In der kleinen Stube sitzen drei Männer. Nur einen kennt er aus der früheren Parteiarbeit. Der geht auf ihn zu, begrüßt ihn und meint:" Gut, daß du rechtzeitig kommst. Wir wollen es so kurz wie möglich machen. Setz dich! Das ist also Ge­nosse Walter. Und das ist der Genosse Hugo. Und das der Genosse Wilhelm."

-

Kreibel begrüßt beide. Er wundert sich über die Sorglosigkeit der Genossen und fragt: Habt ihr eigentlich keine Furcht, ich könnte Spitzel hinter mir herziehen?"

Einer der drei lächelt und faßt ihn am Arm:" Wenn, dann hätten wir es schon gewußt, bevor du kamst. Es ist alles in Ordnung!"

,, Verstehe ich nicht. Wie wollt ihr das vorher wissen?" Genosse Kreibel, du wirst auch von uns beobachtet."

Bei dieser Zusammenkunft vernimmt Kreibel, daß ihn die Partei als Redakteur nach Frankfurt versetzen will. Obgleich ihm der Atem stockt, bleibt er ruhig und gefaßt. ,, Natürlich kannst du in Hamburg nicht mehr arbeiten. Das wäre reinster Selbstmord. Und auch in Frankfurt wirst du die erste Zeit nichts tun. Mußt ja erst mal Illegalität kennen­lernen. Doch wir denken, du wirst schnell dahinterkommen. Papiere, Fahrkarten, Adresse wirst du alles noch bekommen."

353