MERRUERESERTELIEN

Ilse sitzt neben ihm, bessert Kleidungsstücke aus, stopft oder liest imHausfrauen-Magazin, das die Kunden in einigen Ge- schäften kostenlos erhalten.

Und doch fühlt Kreibel sich nicht wohl. Oft ist ihm, als würde er gerüttelt und geschüttelt, als sprächen viele bekannte Stimmen auf ihn ein, als wiesen viele Finger auf ihn. Ihn packt dann ein unangenehmes Grausen; übles Wasser läuft ihm im

Mund zusammen.

Eines Abends läuft Kreibel aufgeregt durch die Straßen Barm- becks. Durch seinen Kopf geht in einem fort der Gedanke: Ich will nicht. Ich werde nicht kommen. Sie sollen mich doch bloß in Ruhe lassen.

In der Hamburger Straße hat ihn Adolf Rafmus, ein alter Funktionär der Partei, angehalten und ihm zugeflüstert:Sei morgen vormittag um elf in der Badeanstalt, Diedrichstraße. Schwimmbad!

Das war die Partei. Sie wollte ihn wieder einspannen. Es soll alles wieder von vorn anfangen. Aber Kreibel will nicht. Nein, nein und nochmals nein.

Ich werde nicht hingehen. Wer zwingt mich hinzugehen? Sie sollen ruhig merken, daß sie fürs erste nicht mit ihm rechnen können. Auf diesen Augenblick hat:er schon lange gewartet. Nun, sie sollen denken und reden, was sie wollen. Sollen doch erst selber mal Kopf und Arsch hinhalten. Ich gehe nicht. Ich hätte es dem Raßmus gleich sagen sollen.

An diesem Abend kommt Kreibel spät nach Hause. Seine Frau fragt nicht, wo er war, sondern stellt schweigend das bereits abgeräumte Abendessen wieder auf den Tisch. Beim Essen sieht sie einige Male zu ihm auf. Er weicht ihren Blicken aus.

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