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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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wenn sie aber da oben vor den hohen Herren steht, verschlägt es ihr den Atem, und dann kriegt sie keinen Pieps heraus... Andere Frauen bekommen doch ihre Männer frei.

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ja die

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Kreibel sieht von seinem Buch auf. Fritz Jahnke liest Briefe. Minutenlang blicken seine Augen auf eine Briefseite, so daß Kreibel meint, er lese nicht, sondern träume. Nicht nur die Briefe betrachtet Jahnke, auch die Umschläge, die Poststempel, die Marken, die Anschrift, und alles scheint er ganz genau, Buch­staben für Buchstaben, zu besehen.

Erich Borgers tritt leise an Kreibel heran, neigt seinen Kopf zu ihm und fragt geheimnisvoll flüsternd:" Willst du mir eine Frage beantworten, die ich einem von euch schon lange stellen wollte?" Kreibel schiebt das Buch zur Seite. Dieser Borgers ist ein übler Bursche. Lebt von Schwindeleien an kleinen Leuten. Ein paar seiner Tricks hat er eines Abends einigen Gefangenen erzählt. Kreibel ist es hinterbracht worden. Seitdem verachtet er diesen kurzsichtigen Leisetreter mit der spitzen Nase und dem langen, glatt gescheitelten Haar. Kreibel sieht ihn an, blickt ihm in die kleinen, feuchten, immer etwas zusammengekniffenen Augen und fragt: Schieß man los! Was hast du?"

,, Schieß los, ist gut", kichert der und rückt näher an Kreibel. Dabei blickt er vorsichtig nach links und rechts.

,, Es kann uns doch niemand hören?"

,, Ist das so gefährlich, was du zu fragen hast?"

,, Pst! Um Gottes willen nicht so laut."

Kreibel wird ungeduldig. Entweder du fängst nun an, oder du läßt mich allein."

,, Seid doch nicht so aufgeregt. Ihr Kommunisten wollt uns immer belehren, aber wenn man mal mit einer Frage kommt, paft euch das nicht."

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