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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
313
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Sie warten bis Viertel nach sieben. Kein Wachtmeister kommt. Sie warten bis halb acht. Kein Wachtmeister kommt. Sie warten bis acht. Kein Wachtmeister kommt. Da läßt Welsen wegtreten.

Was ist passiert? Warum läßt sich kein Wachtmeister blicken? Warum gibt es keinen Kaffee? Die unsinnigsten Vermutungen werden geäußert.

Das hängt bestimmt mit der österreichischen Revolution zu- sammen. Wer weiß, was jetzt draußen vor sich geht?

Ich sage gar nichts, wenn die Nazis schon alle stiften gegangen sind. Wenn es darauf ankommt, sind die Burschen feige wie die Hasen.

Welsen erinnert, daß es doch nicht das erstemal ist, daß der Wachtmeister sie so lange warten läßt. Aber keiner will das hören, jeder redet sich ein, die merkwürdige Stille im Bau sei bedeutsam.

Aufregung und Unruhe werden immer größer. Einige.benehmen sich ganz ausgelassen, werfen ihre Privatsachen zusammen und sagen zum Scherz, hinter dem sich die ernste Hoffnung nur schlecht verbirgt:Sachen packen. Raustreten zum Waffen- empfang!

Schlagartig tritt Ruhe ein. Kannen klappern. Schritte kommen näher. Wachtmeister Lühring schließt auf.

Auf das Kommando Welsens erheben sich die Gefangenen. Stubenältester, Sie haben wegtreten lassen?

Jawohl, Herr Wachtmeister!

War sehr vernünftig von Ihnen. Weitermachen. Er sieht sich nach den beiden Kalfaktoren um.Los, los, schneller!

Kreibel flüstert einem Kalfaktor heimlich zu:Warum kommt ihr heute morgen so spät?

Alle Wachtmeister saßen am Radio! flüstert der zurück.

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