hören will... Und Wäsche. Auch den Mantel soll sie schicken, falls— falls er entlassen werden sollte... Und dann mehr schreiben. Man will doch schließlich das Leben draußen mit- leben, in Gedanken mitleben... Ob sie sich verändert hat?... Besonders gründlich rasiert und kämmt man sich heute. Das Zuchthauszeug wird abgebürstet, die Stiefel werden gewichst, die Fingernägel gereinigt; die Gefangenen, besonders die sechs, die Besuch erwarten, sehen wie aus dem Ei gepellt aus.
„Ik jenier mir vor de Wachtmeisters nich; ik nehm mien Deern in den Arm und drück eer een langen Seuten op. Wat goht mie de Wachtmeisters an. Am leewsten dee ik eer so richtig um den Achtersten footen!”
Jonni Stüwen ist in angeregter Stimmung; er erwartet seine Braut. Mit je zwei Genossen an der Seite wandelt er ruhelos im Saal hin und her und erzählt in einem fort.:
„Ik har mal sonne lütte Dicke in Stockholm . Wi leegen dor mit de ‚Katharina‘ von Ruß. Ik kann di seggen, son Deern wär dat, son Nummer heff ik mokt und so—on Trio—trio—trallala heff ik kreegen...”
Hannes Kolzen erwartet auch Besuch. Sein kahler, polierter Schädel glänzt, als habe er ihn mit Fett eingerieben. Er macht. nicht den Eindruck, als freue er sich, seine Frau zu sehen; er läuft scheu und allein umher. Den Kopf hat er auf die Brust geneigt. Er wirft finstere Seitenblicke auf die lauten, lachenden Genossen. Vor Wut und Verzweiflung über seine Ohnmacht möchte er sich zerreißen. Raus hier! Raus hier! Das ist sein ein- ziger Gedanke. Andere scheinen dies Leben ertragen zu können, er nicht, er ist nicht zum Märtyrer geboren, er will raus. Aber wie— wie?...
Hannes Kolzen kaut an den Fingernägeln. Und wenn sie‘ zu Kaufmann ginge?... Das Gesucheschreiben ist sinnlos, selber
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