„Mensch, Walter, das hast du dir gut ausgedacht. Famose Sache.
So hätten wir uns schon längst sichern sollen.”
„Und jetzt laßt uns anfangen zu arbeiten!”
„Halt!” ruft Körning.„Erst will ich wissen, ob ihr am Abend alle im Puff den Besuch erwidert habt?”
Kreibel lacht mit den Genossen.
-„Das erzähle ich dir nachher ganz allein.”
Dann beginnt er von der Narodniki-Bewegung in Rußland gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zu erzählen.
Morgens, bei der Kaffeeausgabe, flüstert der Kalfaktor einem Gefangenen zu, daß der Genosse Harry Niehus zum Tode ver- urteilt worden sei.
Am Frühstückstisch wird darüber gesprochen. Viele kennen den Genossen Harry; er war Funktionär des illegalen Roten Front- kämpferbundes.
„Dabei hat es damals nicht einmal einen Toten gegeben!” „Bei dem Zusammenstoß in der Holstenstraße ist doch ein Nazi draufgegangen?”
„I wo, drei von unsern Genossen und zwei Nazis erhielten. Messerstiche, aber keiner hat dran glauben müssen!”
„Und trotzdem Todesurteil; das ist allerhand.”
„Der Harry ist so’n lustiger Kerl. Ich weiß noch bei derDampfer- ausfahrt nach Zollenspieker...”
Der Sprecher bricht ab; fast alle Gefangenen erheben sich. Fritz Jahnke, der am ersten Tisch sitzt, hat sich übergeben und schlägt mit dem Kopf auf seine Kaffeekanne. Der heiße Kaffee läuft ihm über Brust und Knie.
Kreibel faßt mit an; der bleiche Gefangene wird an seinen Strohsack geführt. Dort liegt er regungslos und start mit offenen Augen ins Leere.
292


