,, Es war vor einigen Jahren", beginnt Kreibel ,,, ich war Schmierer auf dem Motorschiff Barbara'. Wir fuhren die Mittelmeerroute, Spanien, Italien und Nordafrika . Eines Sonntags lagen wir im Hafen von Livorno . Ich weiß nicht mehr genau, war es Mai oder Juli, jedenfalls war es ein wunderschöner Sommertag. Sehr heiß. Der Himmel war unbeschreiblich klar und rein. Und die Sonne über uns zauberte aus den grauen Steinmassen der Stadt, die vor uns lag, unvergleichliche Farbeneffekte hervor. Die Barbara' war wie ihr wohl wiẞt ein Rotor- Schiff und dann, es war Sonntag; darum standen am Kai hunderte Menschen, die zu uns hinübersahen. Wir waren nicht am Kai vertäut, sondern lagen mitten im Hafen vor Anker.
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Ein Boot hatten wir ausgesetzt und tummelten uns nackend im Wasser. Es war herrlich. Wir schwammen weit hinaus, aber auch an die Kaimauer und neckten uns mit den sonntäglich geputzten Livornern und Livornerinnen. Unter den Menschen stand auch eine Schar junger Mädel, die große, kecke Strohhüte und helle, lustige Sommerkleider trugen. Wenn wir ganz nahe heranschwammen, riefen sie uns etwas zu, das wir nicht verstanden. Der Bootsmann dolmetschte schließlich. Sie baten um die Erlaubnis, das Schiff besichtigen zu dürfen."
Die Genossen sehen sich erstaunt an. Walter Körning grinst über das ganze Gesicht. Auch Welsen blickt ratlos auf Kreibel. Der sieht in die erstaunten Gesichter und sagt nur: ,, Paẞt bitte genau auf!
Sie kamen also an Bord. Der Bootsmann hatte die Erlaubnis des Alten bekommen. Unser Käppen war ein stockreaktionärer Puritaner; er trank nicht, schimpfte von früh bis spät über das Lasterleben der Matrosen und betete fleißig. Als die Damen an Bord kamen, empfing er sie in Galauniform an der Gangway. Achtzehn junge Mädchen kletterten kichernd und lachend hinter
19 Bredel, Prüfung
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