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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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eine nicht minder qualvolle schlaflose Nacht bevorstand, war es ihm oft, als ob der Strick um seinen Hals ihn ermuntere: ,, Tu's doch!" Schweißgebadet vergrub er dann das Gesicht in daş grobe Sackleinen seines Strohlagers.

An diesem Morgen, nachdem sie den jungen Zellennachbar fort­geschafft haben, gelobt er, daß er nie selber Hand an sich legen will; er nimmt den Strick vom Hals und wirft ihn in den Abort. Er hat einfach kein Recht, mit seinem Leben zu spielen; er muß durchhalten. Torsten und die meisten anderen Genossen halten auch durch. Torsten?... Der würde sagen: ihm fehlte die Härte, die ein Bolschewik besitzen muß. Nein, er will sich nicht um­bringen. Nie und nimmer.

Dann holt er einen winzigkleinen Holzsplitter und ein Stück graues Papier hervor und beginnt vorsichtig, Buchstabe für Buch­stabe, das Klopf- Alphabet aufzuzeichnen. Er sticht die Buch­staben ins Papier. Bei der nächsten Gelegenheit will er seinem anderen Nachbarn diesen Zettel zustecken; denn, obgleich er seit Wochen gegen die Wand klopft, versteht der ihn nicht. Walter!"

Kreibel stürzt an die Zellentür. Der Kalfaktor Erwin flüstert durch die Ritze der Tür.

,, Der Hansen hat sich die Pulsadern aufgerissen. Das Blut hat sich aber verkrustet und er lebt. Mächtig klapperig ist er. Du, den hat Otten dazu getrieben!"

,, Ja", flüstert Kreibel zurück. ,, Ich weiß!"

,, Hansen ist ins Barmbecker Krankenhaus gekommen. Wenn er helle ist, dann macht er sich rechtzeitig dünne!" ,, Du, Erwin!"

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Was?"

,, Ist die Luft rein?"

,, Ja! Otten ist unten!"

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