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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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,, So was weiß man eben!"

,, Wann waren Sie zuletzt in Behandlung?"

Warten Sie mal... Das war vor etwa drei Jahren!"

,, Sind Sie verrückt geworden? Oder wollen Sie mich verhohne­piepeln? Drei Jahre laufen Sie mit dem Schweinkram rum?... Wieviel Weiber hast du Strolch denn angesteckt?"

Der Gefangene antwortet nicht.

,, Aber du schwindelst, du hast gar keine Syphilis, dir gefällt es in Einzelhaft nicht, möchtest ins Lazarett, was?"

Der Gefangene sieht unablässig den Heildiener an, schweigt aber.

,, Na, komm man zu mir, ich will dich schon untersuchen. Dir soll die Spucke wegbleiben. Und wehe dir, wenn du mich an­gelogen hast!"

Der Heildiener schließt Kreibels Zelle auf.

,, Wie geht's?"

,, Schlecht, Herr Heildiener!"

,, Schlecht? Woran fehlt's denn?"

,, An Arbeit, Herr Heildiener. Ich möchte um irgendeine Arbeit bitten. Mir ist von dem dauernden, sinnlosen Hin- und Her­gerenne ganz muffig im Kopf!"

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Wenn es nach mir ginge, müßtet ihr alle von morgens bis abends arbeiten. Und wenn es für die Wohlfahrtserwerbslosen wäre. Aber es ist einfach keine Arbeit da. Das bißchen, das an die Gefängnisse vergeben werden darf, bekommen die Straf­gefangenen und Zuchthäusler."

Der Heildiener betrachtet aufmerksam das Gesicht des Ge­fangenen, die graue, kranke Hautfarbe, den seltsamen starren Blick und das nervöse Zucken der Gesichtsmuskeln unter dem linken Auge.

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Wie lange sind Sie schon in Einzelhaft?"

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